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Der Morgen · 1935-06-01 · Heft 3 (Juni 1935) · p. 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 3 (Juni 1935)
Article
Presseschau [Nachricht]
Date
1935-06-01
Page
136 (sequence 2)
Language
German
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Die weltanschauliche An- und Verknüpfung bezieht sich aber nicht nur auf die historische Rückschau, sondern prinzipiell auch auf ein Phänomen wie die Sprache, die in jeder Epoche ein Spiegel aller lebendigen Strömungen ist. „Sprache und Rasse" ist erklärlicherweise auch ein Problem, das heute zur Diskussion steht. Die Forschung hat es bis jetzt nur gestreift und zwar, weil ihr der Mut gefehlt habe, diesen schwierigen Fragen nachzugehen, wie Prof. Dr. Lutz Mackensen - Riga meint, der in den „Nationalsozialistischen Monatsheften" (Nr. 61) die Beziehungen zwischen Sprache und Rasse und die bisherige Einstellung der Forschung zu diesem Thema bespricht. Zwar sei die Rolle der Abstammung als sprachbildende Kunst erwogen, auch Sprachverwandtschaft als ein Beweis der Blutsverwandtschaft angesehen worden, dennoch habe z. B. der Sprachforscher Kluge erklärt: „Der Begriff Rasse kommt hier nicht die Frage, solange wir in der Sprache das Hauptmerkmal für ein Volkstum anerkennen." Der Verfasser sieht den Grund dieser Anschauung einmal in dem damaligen Stand der Rassenforschung, dann aber auch in der Auffassung der Sprache als einer Eigenschaft. Die Sprachforschung habe sich nun zu entscheiden, ob sie gewillt sei, „mitzubauen am allgemeinen Werk", oder ob sie es vorziehe, sich „endgültig in die uninteressante Stille der Gelehrtenstuben zurückzuziehen." Prof. Mackensen wendet sich dann der Erscheinung des sogenannten Jüdisch-deutschen, dem Jiddischen, zu, da man hier eine Volksdeutsche Sprache bei einwandfrei fremdrassigen Sprechern beobachten könne. „Wenn Beziehungen zwischen Sprache und Rasse bestehen, muß sich die deutsche Sprachform im Munde fremdrassiger Sprecher grundlegend wandeln, und in diesen Wandlungen lassen sich die rassischen Verschiedenheiten greifen." In der Darlegung dieser Unterschiede — bei denen u. a. auch auf den Einfluß des Jiddischen auf das Gaunerdeutsch, das sog. Rotwelsch, nachdrücklich hingewiesen wird — scheint uns nur die Tatsache außer acht gelassen, daß es sich beim Jiddischen um die Sprache einer isolierten, von der allgemeinen Sprachentwicklung abgedrängten Bevölkerungsgruppe handelt und daß ein solcher Vergleich deshalb nur zwischen lebenden Sprachen, nicht aber zwischen einer lebenden und einer — in ihren deutschen Beständen — erstarrten Sprache fruchtbar durchzuführen wäre. Stefan Zweig,Maria Stuart. Herbert Reithner Verlag, Wien 1935 Manchmal formt die Geschichte Schicksale mit so dramatischer Großartigkeit, daß die antikischen Ausmaße der Spannungsweite Dichter unserer Zeit weit eher abschrekken als zur Nachgestaltung locken. Wenn trotzdem Stefan Zweig an der Tragödie von Maria Stuart seine Kraft als Erzähler und Aufspürer seelischer Urgründe zu messen wagt, bleibt man auf die Wirkung gespannt. Denn bei aller Ehrfurcht vor der Persönlichkeit des Dichters zweifelt man zuerst grundsätzlich an der Berechtigung der epischen Form für die GefühLssteigerungen einer so leidenschaftlichen Natur wie der schottischen Königin und an der Ver- 136

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