Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1935)
- Article
- Presseschau [Nachricht]
- Date
- 1935-06-01
- Page
- 135 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Presseschau Die weltanschaulichen Ziele des Nationalsozialismus beschränken sich nicht auf die Staatsform, sondern fordern eine Einheit auf allen Lebens- und Schaffensgebieten. So vollzieht sich darum auch auf wissenschaftlichem Gebiet eine Auseinandersetzung zwischen konservativen und revolutionären Kräften. Die Wissenschaft hat ihre Bedeutung als dienendes Glied des Ganzen, ihre Ansprüche auf Allgemeingültigkeit irgendwelcher Richtung werden abgewiesen. Ernst K r i e c k schreibt unter dem Titel: „Die Wahrheit in der Wissenschaft" im „Deutschen Studenten" (April 1935) zu der Entwicklung dieser Auffassung in der Gegenwart: „Mit der Schwerpunktsverlagerung vom Teil ins völkische Lebensganze, die eine große geschichtliche Wendung in Lebenswirklichkeit und Weltanschauung bewirkt, wird die Wahrheit des liberalen Zeitalters zur Unwahrheit, sein Recht zum Unrecht entwertet. Es tritt über sie eine tiefer greifende Wahrheit und eine höhere Gerechtigkeit... Der Nationalsozialismus setzt ... gegen die liberale Wahrheit die völkische Wahrheit und die nationalsozialistische Wahrhaftigkeit ebenso, wie er gegen das liberale Recht die nationalsozialistische Gerechtigkeit setzt... Die Wendung in der Wissenschaft besteht nicht so sehr darin, daß nun gegenüber früher andere Gegenstände der Forschung (z. B. Rasse) in den Vordergrund treten. Tiefer greifend ist vielmehr die Erkenntnis, daß unsere Wissenschaft und ihre Wahrheit in den Untergründen unseres Seins (nicht in einer allgemeinmenschlichen formalen Vernunft), also in Volkstum, Rasse und Geschichte verwurzelt ist, daß Wissenschaft und Wahrheit mit unserm Lebenslauf eingespannt sind zwischen vorgefundene Gegebenheiten und schicksalhafte Aufgaben, daß Wissenschaft und Wahrheit von diesen „Voraussetzungen" ihren lebendigen Sinn, ihre Wirkkraft, ihre Fruchtbarkeit empfangen. Auch unsre Denkformen (Kategorien) und Denkweisen (Methoden) sind samt unsrer Sprache rassisch, völkisch und geschichtlich bedingt." Die allgemeinen und vom Nationalsozialismus anerkannten weltanschaulichen Prinzipien werden nun auch in der Behandlung der einzelnen Wissenschaften und in der Beurteilung, die deren Entwicklung erfährt, verfolgt. Dabei erhalten Epochen und Persönlichkeiten neue Wertungen und Attribute. So äußert sich Krieck in der gleichen Zeitschrift zu einer Diskussion über das kopernikanische System, es bleibe die Aufgabe der Revolution, „den Auseinandersetzungsprozeß mit Mechanismus und Kopernikanismus neu aufzunehmen": „da geht es auch um den Raum und die Zeit, und mit ihnen zugleich um Zahl und Maß und Denkmethode, um Arithmetik, Geometrie und Mechanik. Es ist auch hier jetzt mit aller rationalen ,Sekuritäf und »Assekuranz* des bürgerlichen Zeitalters zu Ende. Steht das religiöse Dogma nicht mehr fest, dann erst recht nicht das wissenschaftliche Vorurteil, die mechanistische These und Hypothese der Welterklärung und Lebensdeutung ..." 135