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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
Drei Zeitungsanzeigen
Date
1935-05-01
Page
87 (sequence 2)
Language
German
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zu niedrigen Preisen und mit solchen Referenzen ein Schlager sein. Schließlich wird die Aussicht, neben „den 1200 prominentesten jüdischen Organisationen New Yorks" zu liegen, nicht jeden Tag geboten. Der Chronist muß allerdings feststellen, daß es an unlauteren Wettbewerb grenzt, wenn ein Friedhof nur ein Drittel1 oder gar mir ein Viertel des Preises anderer Friedhöfe berechnet. Da ist das „Hoch—schön—trocken"-Angebot entschieden reeller. * * Zeitungsanzeigen sind nun einmal ein Gradmesser für Sorgen und Wünsche. Jeder weiß das, wenn er daran denkt, daß es überall in der Welt, in der Presse aller Länder, Heiratsanzeigen und Stellungsgesuche oder -angebote gibt. So annonciert eine kleine jüdische Gemeinde in der Tschechoslowakei nach einem Jeschiwe Bochur, einem Absolventen einer Talmud-Thoraschule, der eine angenehme Stimme hat, vorbeten und Schächten kann und auch gewisse Kaschruthfragen zu entscheiden vermag. „Dieser Posten ist mit der Heirat der Tochter .. unseres Kultusbeamten verbunden", heißt es zum Schluß. Nun kann man sich schon denken, daß es Gemeinden gibt, die dafür sorgen, daß ihre Mitglieder durch eine angenehme Vorbeterstimme erfreut werden. Aber daß es eine Gemeinde gibt, die sich in solch rührender Sorge darum kümmert, daß die Tochter eines Kultusbeamten unter die Haube kommt — das ist wirklich alles, was man an Güte und Nächstenliebe von einer juristischen Person verlangen kann. Nur ist zu bedenken: Wenn der Bewerber um diese Kantorstelle der Gemeinde gefällt und sie ihm, kann immer noch die Kultusbeamtentochter nicht nach seinem Geschmack sein. Unter solchen Umständen können sich selbst aussichtsreiche Verhandlungen leicht zerschlagen, zumal sich der Verdacht nicht unterdrücken läßt, daß die Kultusbeamtentochter nicht eben die Schönste im Land sein wird. Denn brauchte die Gemeinde sie als Draufgabe anzukündigen, wenn es anders wäre? Arno Herzberg Fritz Dehn, Rainer Maria Rilke und sein Werk. Eine Deutung. Insel- Verlag, Leipzig 1935 Wer Rilkes Werk und Gestalt auch nur ahnungsweise erfaßt hat, der wird sich nicht weiter bei der Frage aufhalten, ob ein großangelegtes Buch eines nichtjüdischen Autors über den nicht jüdischen Dichter auch uns heute nahe angehen kann. Denn er wird wissen, daß es darin um Dinge gehen muß, die jenseits aller vorläufigen Fragen stehen, die allen aufgegeben sind und vielleicht, sieht man näher zu, uns heute besonders. Jedenfalls wird mit dem Kindermärchen, daß die Kunst ein Luxusgewächs sei, in diesem überaus strengen, abgründig ernsten Buche gründlich aufgeräumt. Von der Arbeit handelt es, von der großen, mühsamen, unermeßlich schweren, deren Symbol immer wieder die zähe verbissene Werkarbeit des Steinbildners ist; dann von der unausweichlichen Verantwortung um den Brudermenschen, den „Nachbarn", vom immerwährenden Ringen aus Krampf und Angst und Not um Gott, vom schaudernden Erbeben vor dem Schönen, das „nichts als des Schrecklichen Anfang" ist — von 87

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