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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 80

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
Friedrich Hebbel und Emil Kuh
Date
1935-05-01
Page
80 (sequence 7)
Language
German
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Paul Bornstein: Friedrich Hebbel und Emil Kuh es an, daß ihm der Tod die Feder aus der Hand nahm, just nachdem er in einem letzten glänzenden Kapitel seine eigenen Beziehungen zu Hebbel dargestellt hatte. Immerhin war zu fünf Sechsteln die Arbeit geleistet. Man solle, schrieb damals Keller an die Witwe, nur das notwendige Faktische hinzusetzen, sonst aber das Manuskript lassen, wie es ist, — „als eines jener Werke, die in Gottes Namen nicht fertig geworden und doch ein Ganzes sind, weil ein ganzer und hingebender Geist in ihnen waltet". In diesem Sinne hat der Wiener Schriftsteller Valdeck-Wagner ein Notdach über dem unvollendeten Bau errichtet. Man hat gegen Kuhs Werk eingewendet, daß er Hebbels künstlerische Weltanschauung nicht voll erfaßt, nicht aus ihrer Totalität heraus des Dichters Schaffen dargestellt habe. Das ist richtig; aber zu solcher Erkenntnis brauchten wir Heutige zwei Jahrzehnte. Dazu stand Kuh Hebbel zu nahe. Indessen bot eben diese Nähe anderseits gewichtige Vorteile. Kuh kannte Hebbel wie kein zweiter; er kannte die Menschen, die ihn umgaben, die Zeit, in der er stand. Kuh wollte keinen gelehrten Apparat, keine ästhetischen Debatten, keine weitschweifige Kritik. Was er wollte, war: als Psycholog, gewissermaßen als „Novellist" das Leben eines großen, leidenschaftlich ringenden Menschen bildhaft hinstellen, die Beziehungen aufdecken zwischen Leben und Schaffen, zwischen Mensch und Dichter, die ja in Hebbel wie sonst nur noch in Kleist untrennbar vereinigt waren. Das aber hat er erreicht. Mit scharfer Plastik, mit ungemeiner Lebendigkeit tritt uns aus seiner Lebensbeschreibung die ganze Hebbelgestalt entgegen. Hierin wie in der Schilderung der literarischen Zeitströmungen, in den Analysen hebbelscher Dramen, nicht zuletzt im tiefen Verständnis für Hebbels Lyrik hat Kuh Meisterliches gegeben. Kuhs Hebbel wird nicht übertroffen, schwer übertreffen, immer in der vordersten Reihe der Leistungen deutscher Biographik stehen. Diesen Emil Kuh, den ein Hebbel bis in bittere Konflikte hinein geliebt hat, den Vischer und Heyse hochschätzten, den Gottfried Keller um die Neubearbeitung des Grünen Heinrich befragte und der auf diese Arbeit nicht ohne Einfluß blieb, den Mörike nach einem Besuch zum Abschied küßte, dem Storni die Worte ins Grab nachrief: „Sein Tod hat mich tief erschüttert und in den Kreis der mir geistig nahen Freunde ist eine scharfe Lücke gerissen. Sein Gedächtnis wird bei mir bleiben, solange ich lebe", — diesen wahrhaft vornehmen Menschen und Künstler wird man abseits aller Parteiungen immer gelten lassen müssen. Diesem Heft liegt das IIS'MAU'irS^VEjBZiEICMJfflS des 10. Jahrgangs bei. E IIS BAU© ©ECK EST für den letzten Jahrgang sind zum Preise von RM. 2.25 durch den „Philo Verlag4, Berlin W 15. Pariser Strasse 44 lieferbar. 80

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