Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1935)
- Article
- Bar-Kocheba
- Date
- 1935-05-01
- Page
- 69 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zertrümmert barsten eherne Legionen, Vor Ohnmacht mutlos ihr Orakel schwieg. Und den Bedrücker ließ um Asiens Zonen Voll Schrecken bangen dieser Judenkrieg. Noch einmal schien das Dunkel sich zu hellen, Noch einmal aufzublühn der Väter Kraft In heiliger Gottesleidenschaft, Geführt vom Mut des göttlichen Rebellen ... Doch feige Zahl und List der dumpfen Horden Und Bruderabfalls lähmender Verrat Ist jäh den Streitern zum Verderb geworden. Und keiner weiß des Helden letzte Tat Da sank die Nacht mit Grauen auf Bether Und tausend Jahre Nacht wälzt ob dem Volke Die drohende und leidgeladne Wolke, Als sei in Ewigkeit nicht Rettung mehr. Und Flucht und Blut und angstgelöste Tränen, Der Sklavenschmach wehrlos erlittner Fluch Ließ die Verzweiflung immer wieder wähnen, Es sei des Leids um den Erlöser nie genug. Nur immerfort die Länder hin und Breiten, Gleich wie ein Licht in erdentiefem Schacht, Leuchtet der Held herauf die Zeiten. Von seines Namens Klang sind sie bewacht. Woher auch die verstreuten Stimmen riefen, Noch lebend nur aus ihrem Priestertum, Wenn sie gehetzt nicht aßen und nicht schliefen, Blieb er als Traum von Freiheit und von Ruhm. seinen Teller und die Kleinen ihren Napf, alle Zwölf in einer Reihe, als wenn sie Schlange ständen. Boskin war im Eßzimmer allein. Sein Blick fiel wie gehetzt auf das kleine Zigarrenkästchen, das sein Kostgeld enthielt und wie immer auf dem Schrank stand. Er stellte sich auf die Zehenspitzen, nahm es herunter und steckte es unter die Jacke. Er ging in die Küche und sagte: „Ich komme schon." Dann lief er über den Hof. „Was läuft der Junge?" fragte der Kantor. Die Kleinen trugen ihre Teller und Näpfe auf den Tisch ins Eßzimmer. „Vielleicht will er eine Blume holen", meinte die dickliche Frau Kiwi unverhohlen zärtlich und stolz. 69