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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
Franz Rosenzweigs Vermächtnis
Date
1935-05-01
Page
59 (sequence 7)
Language
German
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Helen Rosenau: Frükjüdische Architektur sammenhang ist ihm absolut unbegreiflich. Warum? Weil eben hier sein Recht zu verstehen, das Recht des Missionars, erstickt. Die Judenmission erfaßt nicht den Juden als Juden, sondern den entjudeten, wenigstens wenn sie innerlich wahrhaftig ist. Und das ist nicht die Judenmission der Judenmissionare, sondern die, daher auch einzig erfolgreiche, des Staats, der Gesellschaft, der Kultur. Die soi-disant Judenmission, die ans Judentum anzuknüpfen sucht, kann höchstens die Dummen erfassen. Während die nach der gleichen Methode vorgehende Heidenmission grade bei den „besten" Heiden Erfolg haben kann. Vom Piatonismus führte ein Weg ins Christentum, vom Rabbinismus keiner. Schließlich verbietet sich für den Christen selbst nach Rom. XI die Judenmission. Es wäre heute nicht mehr möglich, wie es noch Duns Skotus vorschlagen konnte, die Wahrheit von Rom. XI. dadurch zu sichern, daß man nach Zwangsbekehrung der Masse ein paar Juden alicubi remota in insula künstlich aufbewahren würde, bis die Fülle der Heiden eingegangen wäre, sondern man mußte (aus Grundsatz, nicht aus Vorliebe) (aus Zeitgeist, ja wahrhaftig!) den Juden „emanzipieren". Hier, wo plötzlich das Wort Emanzipation im Religionsgespräch auftaucht, haben wir den Schlüssel, warum das Problem Judentum —Christentum bei Rosenzweig mit Recht diese Breite einnimmt. Es ist nicht mehr das mittelalterlich spirituelle, sondern das neuzeitlich dynamische Wahrheitsproblem: Jude und Christ haben an der Wahrheit teil, aber es gilt für jeden, die Wahrheit auf dem verschiedenen Platze zu bewähren. So ist die Emanzipation des Judentums jüdisches und christliches Problem zugleich. Der Christ knüpft an Rom. XI an, der Jude anerkennt „die Frommen der Weltvölker". Rosenzweig hat das Problem Judentum—Deutschtum nicht nur von der jüdischen und von der deutschen Seite her, sondern auch von dem Problem Judentum—Christentum aus durchdacht. Die liberale Grundlage der Emanzipation ist heute geschwunden. Rosenzweig sah noch eine andere: er sah die Judenemanzipation als „großes Datum der Kirchengeschichte". Heien Rosenau / Frühjüdische Architektur Ein Versuch über eigenständige jüdische Kunst Kunst als Ausdruck, als „Symbol" nicht nur im formalen, sondern in einem allgemeinen Sinne, wirkt auf den empfänglichen Betrachter klarer und eindringlicher als Gelesenes. Bücher erschließen abgeleitetes Leben. In der Kunst aber erscheint die Vergangenheit als unmittelbarer Eindruck. Dennoch weist die Kunstbetrachtung aus dem Historischen zum Überhistorischen hinüber: in diesem Sinne kann etwa der Bau einer Synagoge mehr über den religiösen Gehalt des Judentums verraten als mancher historische Text. 59

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