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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 53

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
Franz Rosenzweigs Vermächtnis
Date
1935-05-01
Page
53 (sequence 1)
Language
German
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Ignaz May bäum: Franz Rosenzweigs Vermächtnis In der Zeitschrift „Hochland" schließt ein längerer Aufsatz, der sich mit dem katholischen Schriftsteller Theodor Haecker beschäftigt, mit den Worten: „Wir aber, haben wir im Angesicht solcher Werke Wichtigeres zu tun, als der Vorsehung zu danken? Und woher nehmen wir jetzt noch das Recht, nicht zu hoffen?" Nach solchen Worten muß gesucht werden, um der Bedeutung der eben erscheinenden Briefe von Franz Rosenzweig*) gerecht zu werden. Dem deutschen Juden wird im Jahre 1935 ein Buch in die Hand gelegt, in dem die von 1904—1929 reichenden Briefe eine lebendigst gesehene Zeitgeschichte des deutschen Judentums, eine tiefe Deutung der im deutschen Judentum vorhandenen Parteien und eine im reifsten Wortschatz abendländischen Denkens und Glaubens gegebene Formulierung ursprünglicher jüdischer Lehre darstellen. Warum lange nach Worten suchen? Es gibt gegenüber dem Ereignis dieses uns jetzt geschenkten Rosenzweig-Buches keine gemäßeren Worte als jene des Segensspruches, in dem Gott dafür gedankt wird, daß er große Männer in Israel erschuf. „Es gibt ja nichts Tröstlicheres, als wenn sich Größe auch im Nahblick des biographischen Auges bewährt und sogar steigert" Diese Äußerung, mit der Franz Rosenzweig seine Hermann Cohen gegenüber gemachte Erfahrung zum Ausdruck bringt, wird sich' jeder Leser der Briefe Rosenzweigs zu eigen machen und Rosen,- zweig selbst gegenüber empfinden. Der Autor des „Sterns der Erlösung", des „Zweistromlandes", des „Jehuda Halevi" hat nicht ein Leben, das hinter dem Werk steht, sondern das Werk formt das Leben, und das Leben wird im Werk sichtbar. Der „Sohn des Kommerzienrats", wie ihn Hermann Cohen einmal in einer Auseinandersetzung, liebevoll zürnend, sich als dem „Sohn des Chasen" gegenüberstellte, ging einen Weg, der von der äußersten Peripherie jüdischen Lebens in sein Zentrum heimführte. Einen Baal teschuwa, einen Heimkehrer, einen Rückkehrer, so hat er sich selbst genannt. *) Franz Rosenzweig, Briefe. Unter Mitwirkung von Ernst Simon ausgewählt und herausgegeben von Edith Rosenzweig, Schocken Verlag, Berlin 1935. 53

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