Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 1 (April 1935)
- Article
- Land Israel
- Date
- 1935-04-01
- Page
- 29 (sequence 2)
- Language
- German
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Ludwig Strauß: Land Israel Sag, ersteht von neuem der Streit, obwohl wir die Künder Nicht und nicht die Könige sehn in unserer Mitte? Dennoch, ist's wie wirs ahnen aus wetterleuchtenden Leiden? Sag, bereitet sich wieder in Himmeln, uns zu begegnen, Neuer Botschaft voll der heilige Hauch, daß wir wieder Stehn in seinem Gericht, zu gehorchen oder aus deinem Schöße wieder verstürmt zu werden in vielerlei Ferne? Dunkler wird dein Wort und versinkt ins Raunen der Stille. Ich aber bleibe gebeugt über dich um andere Kunde. Nah will ich sein dem Mund, den ungesprochene Rede Immer umzuckt, will schauen die Schrift der uralten Züge, Hören den Atem, der aus den Lippen dir träumt, ob vielleicht dein Erstes waches, deutliches Wort ich fasse. Und schweigst du, Will in dein Schweigen ich horchen und draus verstehen das große, Stumme, duldende Herz, dem keine Sprache genugtut. C/roße, goldene Früchte im dunkellackigen Kranz des Laubwerks hängen und glühn, Glühn im Schatten und glänzen im Strahl und regen im Wind sich Langsam durch Dämm er und Glanz. Tief bis zum Grund des Hains, wie innig nachbarlich kleine Sonne zu Sonnen sich drängt! Wohl, es verwahrt die Haut das kühle, tränkende Feuer, Daß ihm kein Funken entrinnt, Doch mit dem ganzen Licht der innen verhaltenen Fülle Schaut sie ruhig mich an. Soviel Wunder, woher? Hat die stumme, nährende Erde Soviel leuchtendes Blut? Sonne hängt bei Sonne, wie Wort an Worte der Liebe Unerschöpflich sich reiht: Wie ein goldenes Flüstern ergehts von Zweigen zu Zweigen Und von Baume zu Baum. O verstünden wir erst die Liebessprache der Früchte, Uns auch leuchtete wohl So in Augen das heimliche Gold der himmelumschlossnen Erde, endlich auch uns Wie aus hütendem Laub aus unsern Dörfern und Städten Reif Geschick an Geschick. Orangenhain 29