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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Der Künder der Humanität
Date
1935-04-01
Page
17 (sequence 1)
Language
German
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Felix Hirsch: Der Künder der Humanität Wilhelm von Humboldt und das deutsche Judentum , In jenem Abschnitt der „Deutschen Geschichte", in dem die antisemitischen Strömungen nach den Befreiungskriegen geschildert werden, behauptet Treitschke, alle großen germanischen Denker seit Luther seien in dem tiefen Widerwillen gegen das „orientalische Wesen" einig; Lessing stehe ganz vereinzelt mit seiner Vorliebe für die Juden. Welch ein Irrtum! Wäre hier nicht sein politisches Temperament mit ihm durchgegangen, so hätte Treitschke neben Lessing wenigstens noch jenen „perikleischen Staatsmann" nennen müssen, dessen kühnen Idealismus er sonst nicht genug preisen kann: Wilhelm von Humboldt. Denn dieser hat sein Leben lang aus seiner Wertschätzung des Judentums kein Hehl gemacht; sie war für den Künder der Humanität eine Selbstverständlichkeit. Wie er immer und überall die harmonische Entfaltung der freien Individualität forderte, so billigte er sie auch den Angehörigen des Stammes zu, mit dem ihn seit seiner Jugend so viele freundschaftliche Bande verknüpften. Ohne gegen die Schwächen gerade der ersten Generation nach der Emanzipation blind zu sein, versicherte er doch seiner andersgesinnten Frau Caroline: „Es kann unmöglich vernünftig sein, den alten Unterschied zwischen Juden und Christen ewig bestehen zu lassen und das Vorurteil noch zu vermehren." So dürfen neben den anderen Gemeinschaften, die Humboldts an seinem 100. Todestage (8. April) ehrfürchtig gedenken, auch wir heute seinen Manen huldigen; wir tun es am würdigsten, indem wir seine Beziehungen zu den führenden jüdischen Geistern seiner Zeit betrachten. „Schon als Kinder", schreibt Wilhelm einmal, „wurden Alexander und ich für Schutzwehre des Judentums gehalten". In ihrem Elternhaus zu Tegel herrschte die Weltanschauung der Aufklärung; alle Lehrer der Knaben gehörten dem Kreis um Moses Mendelssohn an. Siebzehnjährig wurde Wilhelm von seinem Erzieher Kunth in das Haus des Hofrats Markus Herz eingeführt, der damals die geistige Oberschicht der preußischen Residenz bei sich versammelte. Herz selber war nicht nur ein gesuchter Arzt, sondern auch ein vielseitig geschulter Denker, der in Lessings und Kants Lehren lebte und webte. Zu seinen Freunden zählte u. a. David 17

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