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Der Morgen · 1935-03-01 · Heft 12 (März 1935) · p. 566

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 12 (März 1935)
Article
Amerikanisches Judentum in Bewegung
Date
1935-03-01
Page
566 (sequence 2)
Language
German
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Ein Symptom für diese Bestrebungen', zu einer Zentralisierung der jüdischen Kräfte zu kommen und von den Gemeinden aus neues jüdisches Leben zu bauen, sind Äußerungen führender Persönlichkeiten in der amerikanisch-jüdischen Presse. Alle sehen die Erstarrung des jüdischen Lebens. Sie sehen, daß hinter den großen Organisationen meist nur wenige Menschen stehen, die ihren Namen und ihr Geld hergeben, um den fehlenden Inhalt zu ersetzen. Siesehen die zentrifugalen Kräfte, die heute im jüdischen Leben wirksam sind, und erstreben eine einheitliche, organische jüdische Gemeinde. „Dieses Ideal", sagt Prof. M. Kaplan, der als einer der führenden Rabbiner ein Vorkämpfer der Konzentrationsbestrebungen ist, „kann nur erfüllt werden, wenn alle Juden, jeder Richtung, jedes Berufes und sozialen Standorts, als Gemeindemitglieder nicht nur willkommen sind (wenn sie von selbst zu ihr kommen), sondern wenn die Gemeinde sie erfaßt.. Das Vertrauen und die Mitarbeit der jüdischen Massen muß gewonnen werden, anstatt sie zu ignorieren. Eine einzelne Person kann ein praktisches Programm einer jüdischen Gemeinde nicht entwerfen. Das kann nur ein Jüdisches Planungs-Komite, das aus Männern und Frauen besteht, die Repräsentanten der verschiedenen Interessen im jüdischen Leben sind und an einen überragenden Wert jüdischer Gemeinschaft glauben." Dieser Vorschlag von Prof. Kaplan wird in der jüdischen Öffentlichkeit ernsthaft diskutiert. Man fühlt, so wie bisher geht es nicht weiter. Es muß etwas geschehen. Es muß viel geschehen. Man klagt über große Arbeitslosigkeit in New York; sie soll Zehntausende von Juden betreffen. Man klagt über einen stillen Boykott der nichtjüdischen Arbeitgeber gegenüber jüdischen Arbeitnehmern. Man klagt über mangelnde Erziehung der Jugend zur Jüdischkeit und über unzulängliche Erwachsenenbildung. Man versucht, schon hier und da Abhilfe zu schaffen. Man hat neuerdings versucht — echt amerikanisch —, brieflichen religiösen Fernunterricht für jüdische Farmerkinder einzuführen. Man glaubt eine spürbare Belebung der jüdischen Jugendbewegung feststellen zu können: zehn hebräische Klubs sind in letzter Zeit an den Hochschulen New Yorks gegründet worden; zionistische Studentenorganisationen haben eine große Aktivität entfaltet; in den öffentlichen Schulen New Yorks wird hebräisch gelehrt. Es ist viel guter Wille da. Aber die Aufgaben sind noch groß. Es gibt keinen jüdischen zentralen Arbeitsnachweis in New York. Es bestehen keine oder nur ungenügende Rechtsschutzorganisationen. Jetzt droht die große Sorge, was mit der schulentlassenen Jugend werden soll; die Überfüllung der akademischen Berufe hat von jüdischer Seite schon zu dem Vorschlag einer Beschränkung geführt, der gegenwärtig diskutiert wird. Man sagt und schreibt drüben viel über all diese Probleme. Im letzten Vierteljahr sind eine Unmenge neuer jüdischer Zeitungen und Zeitschriften herausgekommen, von Einzelpublikationen ganz zu schweigen. Und man redet ausgiebig in Versammlungen, Konferenzen und Tagungen. Das amerikanische Judentum steht in einer Periode der Bewegung, der Aufgelockertheit. Man ist auf dem Wege.. Arno Herz berg 566

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