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Der Morgen · 1935-03-01 · Heft 12 (März 1935) · p. 556

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 12 (März 1935)
Article
Bach und Händel
Date
1935-03-01
Page
556 (sequence 5)
Language
German
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Erich Rosenthal Gelegenheitsarbeit, und sollte den Sieg der Engländer über die schottische Revolution verherrlichen. Das Genie Händeis freilich schuf darüber hinaus ein allgemeines Bild eines unterdrückten und sich befreienden Volkes, wie überhaupt unter dem israelitischen Volk verallgemeinernd jede religiöse Volksgemeinschaft gemeint ist. Händel geht mit den biblischen Figuren sehr frei um, macht David im „Saul" zu einem echten italienischen Liebhaber oder läßt im „Jephta" dessen Tochter sich dem Dienste Gottes weihen, — eine auffällige katholische Wendung, die die Idee des Klosters auf alttestamentarischen Boden verpflanzt. Händeis Stil ist im Vergleich zu Bach, da er sich an Romanen gebildet hatte, viel durchsichtiger, klarer, sinnlicher. Händel ist der diesseitige Barockmensch, wurzelnd im Volkstümlichen, benachbart dem renaissancemäßig Heroischen, lebend in der Welt des Dramas, des Theaters, der breiten Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu Bach, dem in engen Verhältnissen schaffenden deutschen Kirchen-Beamten, der ihn schätzte, dem zu begegnen er aber vermied (das Weltkind scheute den Propheten), war Händel ein Weltmann, ein „moderner" Mensch, ein internationaler Exponent und Repräsentant einer ganzen Epoche. Wenn wir heute von diesen „paar Kerlen" Bach uns näher fühlen und ihn als den europäisch universalen, in nichts veralteten Geist begreifen, so steht doch der Teil des Händeischen Riesenwerkes, der der Zeit getrotzt hat, unverrückt als musikalischer Besitz der Welt für noch unabsehbar lange Zeit. Erich Rosenthai / Der Viehmarkt Ähnlich wie das Bauerntum Grundlage und stetig sich erneuernde Quelle eines jeden Volkstums ist, bildet der Stand der jüdischen Viehhändler ein gewichtiges Fundament des deutschen Judentums. Viele in städtischen und kulturellen Berufen stehende Juden stoßen auch ohne groß angelegte familiengeschichtliche Forschung, schon in lebendiger Erinnerung an Vater oder Großvater, auf Vorfahren, die von Beruf Viehhändler, oder Viehhändler und Landwirt zugleich waren. Gerade diese Entwicklung gibt ein gutes Zeugnis von der Vitalität der in diesem Stande gebundenen Kräfte, die dem deutschen Judentum als Kraftreservoir zugute gekommen ist. Der Mittelpunkt des Handels ist der Markt, der Angebot und Nachfrage regelt. Die zentrale Bedeutung, die der Markt in der Entwicklung jeder Kultur hat, kommt z. B. darin zum Ausdruck, daß ohne das leiseste Empfinden einer Profanierung der Kirchplatz, der religiöse Mittelpunkt, zugleich sehr häufig auch zum wirtschaftlichen, zum Marktplatz wurde. Aber nicht von der wirtschaftlichen 556

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