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Der Morgen · 1935-03-01 · Heft 12 (März 1935) · p. 542

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 12 (März 1935)
Article
Max Liebermann
Date
1935-03-01
Page
542 (sequence 5)
Language
German
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Leo Hirsch sprechungen und Hoffnungen entscheidet,, muß von ihm gesagt werden, daß er durch sein Werk und seinen Willen die Errungenschaften dieser Zeit bewahrte. Daß, was ihm Gewißheit schien, am Abend seines Lebens zusammenstürzte, traf ihn tief und versetzte ihm Wunden. So sah er sich zu Äußerungen in jüdischen Fragen veranlaßt, die man als Reaktion auf seine früh gelockerten Bindungen ans Judentum würdigen muß. Und wie er in der Epoche der Emanzipation zugleich Gefolgsmann und Bahnbrecher war, sahen ihn, den Lebensnahen, die letzten Jahre jüdischem Leben nahe. Mit einem seiner letzten Werke hat Max Liebermann ein Gedenkbuch an jüdische Kriegsgefallene Deutschlands eingeleitet. Zu der Gereiftheit und tiefen Einsicht seines Alters ist schmerzliche Erfahrung getreten. Gewiß hat er geglaubt, mit diesem Blatt den deutschen Juden unserer Tage zu rufen. Er hat uns ergriffen wie so oft und uns bereichert wie nur je. Mit diesem Blatt edler deutscher Zeichenkunst offenbarte er noch einmal die Echtheit seiner Kunst, das Gesetz seines Lebens, die Gültigkeit seiner Persönlichkeit und die Tragik seiner letzten Jahre. Leo Hirsch / Atl der GretlZe (Fortsetzung) Die nähertretende Horde der Kiwijungen versuchte, möglichst gesittet zu erscheinen. Alle zwölf und mit ihnen der Kantor und Boskin zogen fast zugleich mit betonter Kavaliersart und leicht kleinstädtischer Großspurigkeit die Hüte vor den Damen, und nur Boskin hielt sich etwas abseits; die Damen kannten ihn noch nicht. Etwas verlegen stellte ihn endlich Frau Kiwi vor: „Unser Jüngster!", worauf Boskin der älteren Dame die Hand küßte, dem jungen Mädchen aber die Hand nicht einmal reichte; offenbar traute er sich nicht. Da aber griff der Kantor Kiwi ein und rief in seiner etwas jovialen Art: „Na Michel, komm doch mal her. Die Betty ist so ein schönes Mädchen, und Du kennst sie nicht einmal?" Während der Kantor diese Worte sprach, wurde nur sein Ältester, Hosea, über und über rot und wandte sich ab. Michael Boskin aber gab dem Mädchen Betty die Hand und sagte kein Wort dazu. Er war nicht weniger verlegen, er war wunschgemäß höflich, seine Verbeugung war noch reichlich jungenhaft und ungelenk, aber 542

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