Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1935)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1935-02-01
- Page
- 524 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 1× ep/1002670
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besitzer und ein oder mehrere Dutzend bekannter Persönlichkeiten (für Mainz sogar 53). Aber auch die Darstellung scheint nicht frei von Zufällen: der Wiener Rabbiner Isaak Or Sarua (dessenRieserrwerkunbestritten; eine historische Fundgrube ersten Ranges ist) wird auf zehn Seiten behandelt, während Raschi, der doch in Deutschland einen bedeutenden Teil seiner Ausbildung erfuhr, nurebensoviele Zeilen erhält. Daß die Darstellung sich nicht in eine Summe geographischer Stichworte auflöst, dafür sorgen außer den Artikeln über bedeutende Siedlungen (wie Mainz), besondere Artikel über die Länder (z. B. Böhmen, Lothringen) und, als Artikel „Deutschland", eine übersichtliche kulturgeschicht- Ernst Hetthorn, Deutschlandreisen in alter Zeit. Sozietätsverlag, Frankfurt a. M. 1935 Das einzige, was zu diesem bezaubernden kleinen Buch nicht paßt, ist sein Titel. Er klingt gar zu trockengelehrt, nach einer Kulturgeschichte der Reisen. Dabei ist dies Büchlein wirklich so eine Art Kulturgeschichte — aber was für eine graziöse, unbeschwerte! Wir hören aus den Reisebeschreibungen, von etwa 1700 bis zu Fontanes „Wanderungen", nicht nur das Abenteuer und die Kuriosität — obwohl es an beidem nicht fehlt —; an der inneren Einstellung zur Reise und zur Landschaft wird eine zugleich seelische Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts deutlich. Dabei sind fast alle diese Kapitel auch schon für sich genommen von bestrickendem Reiz, und eines hebt das andere: Casanova plaudert mit dem großen König im Park von Sanssouci, Stendhal ärgert sich über liehe Darstellung von I. Elbogen, die die Einleitung bildet. Bei einer Fortführung des Unternehmens, die sich trotz des Zweifels der Herausgeber hoffentlich doch noch ermöglichen lassen wird, wäre vielleicht noch manches in dieser Richtung durch Zusammenfassung in Registerform zu erreichen. Sehr erwünscht wäre auch ein hebräisches Ortsnamenverzeichnis. Hoffentlich ermutigt die übersichtliche Darstellung der bisher gesicherten Ergebnisse die jüdische Geschichtsforschung in Deutschland, die in den letzten Jahren nach längerer Pause einen neuen Anlauf genommen hat, trotz mancher Schwierigkeiten die zahlreichen noch offenen Fragen erneut zu bearbeiten. Herbert Finkelscherer die unmöglichen deutschen Betten, Wilhelm von Humboldt ersteht vor uns mit einer universalen Fülle von Kenntnissen und Interessen und mit der ruhigen Humanität, die ihn auszeichnet — und daneben notiert Frau von Stael ihre geschliffenen Epigramme, steht Arndts antik anmutende Prosa. Es bleibt Heilborns Geheimnis, wie er es versteht, aus einem profunden Wissen so ganz ohne professorale Gebärde auch dem Leser etwas mitzuteilen, der gar nicht belehrt, nur angenehm unterhalten sein wilL Die Illustrationen erwecken vielleicht in dem einen oder andern Leser Interesse für die schlichten Stahlstiche des vorigen Jahrhunderts, die man heute noch in vielen Wohnungen, aber als einen nicht besonders hochgeschätzten Wandschmuck für Vorplätze und Treppen findet Dora Edinger 524