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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 516

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Die deutsche Höhere Schule [Rezension]
Date
1935-02-01
Page
516 (sequence 2)
Language
German
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„. . . Für die Frage, ob Schaden mit rein-geistigen Bildungssteilen berechtigt oder nötig sind, kommt nur die Erwägung in Betracht, ob es volkliche und staatliche Funktionen gibt, die eine solche Ausbildung unbedingt fordern. Die Frage ist, vom Standpunkt der Volksgemeinschaft aus gesehen, ohne weiteres zu bejahen. Es gibt Berufsarten, die eine wissenschaftliche Vorbildung fordern. Hier muß der geschichtlich gewordene Zustand gelten. Der Stand unserer geistigen Volkskultur fordert den akademisch gebildeten Forscher, Arzt, Richter, Verwaltungsbeamten, Rechtsanwalt, Geistlichen, Lehrer, Ingenieur usw. Diese Berufe setzen geistige Leistungen voraus, die nur durch gute Schulung erreicht werden können. Die Anlagen dazu muß der Einzelne mitbringen, die Ausbildung aber gewährt ihm die Volksgemeinschaft durch die Schule . . . Die nüchterne Auffassung, daß die Ausbildung dem Berufe dient, verbindet sich mit der erhabenen Auffassung vom Beruf, daß dieser ein Dienst am Volkstum ist. Bei solcher Einstellung zum Beruf kann es die Höhere Schule und die Hochschule nicht entwürdigen, wenn auch sie als Berufsschulen angesehen werden . . . Die Fiktion, daß die Hochschule lediglich „zweckfreie Wissenschaft" zu lehren habe, entspricht weder der tatsächlichen Entwicklung, noch würde sie den Bedürfnissen des völkischen Lebens gerecht werden. Der Wahn, daß praktische Anwendung die Wissenschaft herabwürdige, ist mit der neugewordenen Anschauung vom Wesen der Arbeit unvereinbar . . . Freilich wird für immer eine humanistisch-geistige Schule bestehen müssen, einmal, weil bestimmte Berufe, vor allem der des Lehrers selbst, es mit dem Geistigen zu tun haben, dann aber auch, weil es Menschentypen gibt, die ihrer ganzen Natur nach diesen Weggehen müssen, um Höchstes zu leisten. Diese Schule ist aber dann eben auch Fachschule, nämlich Fachschule für geistige Berufe. Sie wird die strenge Geschlossenheit des alten humanistischen Gymnasiums wieder bekommen müssen, zugleich aber die für alle gültige nationale Gemeinbildung, die hier weitgehend mit der Sonderbildung übereinstimmt, gewähren und Raum geben müssen für die soldatische Erziehung. Neben die humanistische hat sich seit langem die realistische Höhere Schule gestellt. Sie ist berechtigt, nicht etwa als besonders geeignet zur Vorbildung für die technischen Berufe — die Professoren schätzen die Vorbildung des Gymnasiums höher! — sondern zur Ausbildung der jungen Menschen, die ihrer Eigenart gemäß von der Anschauung der Natur zu Erkenntnissen, vom Problem über den Versuch und durch Untersuchung zur Lösung, von der Erkenntnis zum praktischen Tun vorwärts schreiten, um ihrerseits Höchstes zu leisten. Das sind die beobachtenden, forscherischen, realistisch-theoretischen, mathematischen Naturen, die einen wichtigen Teil der Lehrerschaft, der Ärzteschaft, der Naturforscher und Erfinder bilden werden. Auch diese Schulen werden berechtigter- und notwendigerweise, wie alle Fachschulen, eine gewisse Einseitigkeit haben, die aber auch hier durch die Betonung der nationalen allgemeinen Bildung und durch die soldatische Erziehung ausgeglichen wird. . . — h — 516

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