Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1935)
- Article
- Die deutsche Höhere Schule [Rezension]
- Date
- 1935-02-01
- Page
- 515 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Presseschau: Die deutsche Höhere Schule Innerhalb der Ideenwelt des totalen Staates mußte das Erziehungswesen einer erneuten Überprüfung unterzogen werden. So wichtig dabei der Aufbau der Volksschule ist, so problematisch gestaltet sich unter diesem Betracht das Erziehungsziel der bisherigen Höheren Schule in Deutschland. Über diesen ganzen Fragenkomplex äußerst sich Horst Günne b e r g in einem Aufsatz „Das Schicksal der Höheren Schule" (Volk im Werden, Heft 8, 1934) folgendermaßen: „Man muß den ganzen inneren Wandel der bürgerlichen Welt des 19. Jahrhunderts mit ihren Aufstiegswegen und ihren Auswahlmaßstäben bis zu ihrem Ende in der Gegenwart vor Augen haben, um begreifen zu können, daß die Höhere Schule einen grundlegenden Wandel durchmachen muß, damit sie in den Stromkreis der nationalsozialistischen Volksordnung einbezogen wird . . . Eine der entscheidenden Komponenten echten Gemeinschaftsgeistes ist die Erlebnis- und Erfahrensbreite, über die ein Mensch verfügt, und die gerade dem höheren Schüler in ganz anderem Ausmaße, als es heute geschieht, vermittelt werden muß. Den eigentlichen Kern des Unterrichts stellen die Fächer Deutsch, Geschichte und eine Fremdsprache dar. In ihnen muß eine politisch-wissenschaftliche Schulung einsetzen, die die Arbeit der Höheren Schule geistig mit dem großen Zuge der gesamten nationalen Erziehung verknüpft und gleichzeitig die Verbindung zur Universität schlägt. Allerdings wird es notwendig sein, die Methodik dieser Fächer auf eine politische Grundlage zu stellen. Sprache und Geschichtsbild sind nicht ausschließlich Gegenstände einer wissenschaftlichen Betrachtung, sondern sind politische Waffen. Alle übrigen Fächer bedürfen der allerstärksten Ausrichtung auf die Probleme der völkischen Wirklichkeit. Vor allem ist das notwendig bei der Mathematik und den Naturwissenschaften . . . Zwischen dem Wissenschaftsprinzip und dem Berufsprinzip besteht eine tiefe Kluft, zwischen ihnen ist geradezu ein Gegensatz konstruiert worden, der tatsächlich nicht bestehen darf. Zu dieser Verbindung der Fächer mit dem Leben tritt als weitere Forderung die praktische Auseinandersetzung und Begegnung mit der Berufswelt in der Werkstatt. Es läßt sich ein Werkunterricht geben, der auch wissenschaftlich tiefer führt als der reine Wissenschaftsunterricht . . . Manch einer wird vielleicht die praktische Vertiefung der bisher rein theoretisch betriebenen Fächer außerordentlich begrüßen, abertrotzdem feststellen, im Endeffekt komme die Wissenschaft zu kurz. Darauf läßt sich nur erwidern, daß wir ein für allemal mit der irrigen Vorstellung aufräumen müssen, in der Schule lasse sich ein irgendwie systematischer Abriß der Wissenschaften vermitteln. Das richtige und gründliche Ansetzen der jungen Menschen zur Arbeit ist wertvoller als eine oberflächliche Abgeschlossenheit des wissenschaftlichen Weltbildes. Zu dem gleichen Thema äußert sich das „Amt für Erzieher" in Sachsen in einem Artikel „Nationalsozialismus als Erziehung gesehen" (Deutsches Bildungswesen, Heft 1, 1935): 515