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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 510

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Brücken zum Deutschtum
Date
1935-02-01
Page
510 (sequence 3)
Language
German
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Kurt Julius Riegner: Brücken zum Deutschtum und bodenverbundene Sehnsucht, wo Bauern lebten, wo Kumpels in die Schächte fuhren oder Krane und Schlote über die Hafenbecken ragten. Es ist schwer, das Imponderabile und gleichwohl Unveränderliche des deutschen Lebensrhythmus aufzuzeigen und mit Namen zu nennen. Heute sind wieder beide Grundstimmungen der gotischen Zeit lebendig, zumal in den jungen Menschen der Gegenwart, die freudige Askese und die schmerzliche Verlorenheit des Gefühls in der Weite und in der Vielheit. Sichtbar wird das auf den schmalen hohen Stirnen mancher Statuen und Schnitzereien aus der Hand Moderner und hörbar in schlichten, stillen Versen, die in kleinen Bänden zu lesen sind. Es ist lebendigste, durch nichts zu brechende Macht, was hier wirkt, und dem deutschen Juden (ja, jüdischem Wesen überhaupt?) nachbarlich und verwandt. Er muß es nur aufzufinden und auszuwählen wissen. Nur so, auf diese Weise, lernend und lauschend auf die Stimmen, die aus der Zeit ins Zeitlose sprechen, gibt es einen Zugang für die jüdische Jugend zu deutscher Bildung, zur Bildung am Deutschen, und der ewige Maßstab ist das eigene innere Gesetz. Darum gibt es kein Zurück in die Selbstgenügsamkeit ungebrochenen und ungeteilten jüdischen Lebens — das wäre ein Scheindasein —, sondern es gibt nur den Kampf um die Wirklichkeit und den Versuch, sich auseinanderzusetzen und Formung zu finden. Die Fülle dessen, was aus dem deutschen Umkreis kommt, muß — so wurde jüngst gesagt — mit dem letzten, dem jüdischen Maßstab gemessen werden. Eine Gemeinschaft macht mit ihrem Leben den Versuch, die These der Gebundenheit von Kultur und Bildung an den Staat, an das Politische in seiner Totalität, durch die bloße Tatsache ihres von diesem Staat geduldeten Daseins zu erproben. Das ist die einzigartige Situation der deutschen Juden. Und doch wird alle innere Nähe ein deutschjüdisches Leben eigener Prägung nicht ersetzen, ein Leben, geschaffen aus einer echten Lebensmitte, einmalig in der Geschichte, wie die Menschengemeinschaft, die es sich formt, und bezwingend in seiner Wahrhaftigkeit. Das Januarheft enthielt u. a. Ungleichzeitigkeit und Gleichzeitigkeit I Rudolf Lery» Wanderungsziele / Rudi Bach, Mußkaufmann? / Hanns Reißner, Der Kaufmann: Geschichisträger Israels / Georg Hirschfeld, Erinnerung an Jakob Wassermann Im MÖrzheft schreiben u. a.: Leo Baeck, Der jüdische Mensch / Fritz Bamberger, Mcämonides und seine Wirkung in die Zeil / Ludwig Feuchtwanger, Zwei Bibelübertragungen / Oskar Gultmann, Bach und Haendel / Erich Rosenthal, Der Viehmarkt 510

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