Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1935)
- Article
- Zur Programmatik der jüdischen Erwachsenenbildung
- Date
- 1935-02-01
- Page
- 501 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Programmatik der jüdischen Erwachsenenbildung Stufen und die „geführte" Lehre setzt, nicht die gewählte, die ausgewählte Übersicht. Dann erst wird diese Konfrontation zu einer Eingebung, wenn sie nicht nur im Lehrplan manifestiert, sondern im einzelnen Lernenden geschlossen und verdichtet wird. Die Programmatik, über die hier einiges ausgesagt worden ist, umfaßt Ziel und Weg der jüdischen Bildungsarbeit Wir sind gewohnt, unter Programm eine Zielweisung zu verstehen. Doch die Programmatik geht weiter. Sie bestimmt den engen Zusammenhang zwischen Zielu n d Wegweisung im Sinne einer Vorschrift, eines Leitsatzes, von dem aus die Arbeit der LehrhäuseTi verbindlich getragen sein muß. Das Ziel unserer Bildungsarbeit bestimmt ihre auf die jüdische Lebens Wirklichkeit gerichtete Grundhaltung, der als Weg die Planung entspricht. Grundhaltung und Planung gehören aufs engste zusammen. Es ist notwendig, dies für alle Träger jüdischer Bildungsarbeit zu betonen. Denn Grundhaltung und Planung sind nicht zu trennen. Werden sie in einer falschen Alternative aufgelöst, dann ergibt sich das institutionelle Problem des Verhältnisses von Lehrhaus und Gruppenschule, von im übertragenen Sinn innerjüdisch freier und weltanschaulich gebundener Erwachsenenbildung. Die programmatische Grundhaltung unserer Bildungsarbeit fordert: den Weg des jüdischen Lernens zu gehen, pädagogisch in der lebendigsten vom Stoff und vom Lernenden bestimmten Form, das Tun, von einer bestimmten Situation aus, in diese Situation hineinzustellen, weil man weiß, daß sich in diesem Tun irrationale Kräfte auslösen, die den Lernenden entscheidend bestimmen und ihm, so frei seine Wahl auch ist, die Entscheidung als notwendig, als in der Substanz des jüdischen Bildungsgutes und in der Situation der jüdischen Gemeinschaft angelegt offenbar werden läßt: „On s'engage, puis on verra". Das jüdische Lernen trägt seine Programmatik in sich. Sie ist nicht nur eine unserer Situation. Sie ist vielmehr die jüdische Programmatik schlechthin: Erziehung im Bilde des um seine Wirklichkeit wissenden, existenziell seinem Volk verbundenen Juden, dessen Tun jederzeit und überall seine Gemeinschaft repräsentiert und also im Namen dieser Gemeinschaft zu geschehen hat. Unsere Situation hat diese Funktion der jüdischen Bildung aus einer Verdeckung und Verhüllung gelöst. Wir alle sind für diese Bildungsarbeit reif geworden. An uns ist es, ernst mit ihr zu machen. 501