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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 498

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Zur Programmatik der jüdischen Erwachsenenbildung
Date
1935-02-01
Page
498 (sequence 2)
Language
German
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Paal Eppstein Die programmatische Planung trägt die Tendenz in sich, mit dieser Grundhaltung in Spannung zu geraten. Denn sie fordert: ein Z i e 1 zu setzen, Mittel und Verfahren zur Erreichung dieses Zieles anzuwenden, das Tun, von einer bestimmten Situation aus, zweckrational aufzuheben und also zu wissen, was man will, was man erreichen will. Bildungsarbeit wird Mittel zu einem Zweck. Die in der Bildungssphäre sich gestaltende schöpferische Chance kann Organ einer politischen Teleologie werden, Bildung zum Mittel einer politischen Pädagogik. Der Legitimitätsanspruch der Gruppenschule wird mit der durch ihren Zweck bestimmte Planung begründet, der eine gleichfalls durch den Zweck eingegrenzte Grundhaltung entspricht. Die Gestaltungskraft des Lehrhauses stützt sich dagegen auf die Grundhaltung, die die Planung zu bestimmen habe. Grundhaltung und Planung bedingen sich aber gegenseitig. Ihre innere Bezogenheit, die Unmöglichkeit, Grundhaltung und Planung in einer Alternative aufzulösen, macht es für das Lehrhaus und die Gruppenschule notwendig, sich anstelle einer institutionellen Gegensätzlichkeit, in der die Legitimitätsfrage unschlichtbar scheint, auf die gemeinsame Programmatik der jüdischen Erwachsenenbildung, also auf den unlösbaren Zusammenhang zwischen Grundhaltung und Planung zu besinnen. * Bildung, besonders jüdische Bildung, ist heute kein Wert mehr für sich. Sie empfängt ihren Sinn als Funktion der Gemeinschaft, jederzeit und überall. In diesem Ethos erfolgt Bildung und Erziehung im Jüdischen Lehrhaus. Die Zeit des Gebildeten, des Standes der Gebildeten, ist nicht unsere Zeit. Das Lehrhaus will, aus unserem jüdischen Grunderlebnis heraus, in unseren jüdischen Werten Gemeinschaftsarbeit für das Judentum leisten. Es will den um seine Wirklichkeit wissenden Jaden gestalten. Mit dem Sachwissen allein ist es dabei nicht getan. Dieses Wissen ist vielmehr existenziell. Es ist ein Leistungswissen, in dem das eigene in Frage gestellte Leben eine Antwort, eine Veränderung, eine Umkehr erfährt, aber nicht nur je für sich, sondern auch in der Gruppe, in der sozialen Ordnung der jüdischen Gesellschaft. Mit dieser Aufgabe tritt das Lehrhaus in dieser konkreten Situation an die deutschen Juden heran. Das Lehrhaus ist mit dieser Aufgabe eine öffentlich jüdische Angelegenheit geworden. Es ist eine Angelegenheit der jüdischen Oeffentlichkeit, aber keine Gelegenheit für das „Publikum". Der Weg vom Mitglied zum Hörer, zum Mitarbeiter, zum aktiv Lernenden ist der propädeutische Weg. Er hat auszugehen von der Wirklichkeit, von den Gliederungen und Prägungen der Lernwilligen, von allen gegebenen Sonderungen: Altersgruppen, Organisationen, Berufe- und Bildungs- 498

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