Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1935)
- Article
- Grenzen der Kulturautonomie
- Date
- 1935-02-01
- Page
- 497 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Paul Eppstein: Zur Programmatik der jüdischen Erwachsenenbildung Eduard Spranger noch bei der Analyse stehen blieb, während Theodor Litt von der analysierenden bereits zur führenden Pädagogik überging, ist die Führungspädagogik bei Ernst Krieck zum Durchbruch gekommen. Es besteht ein gewaltiger Abstand zwischen der Mannigfaltigkeit der Typen, wie sie Sprangers „Lebensformen" herausheben, und dem einmaligen Typus des völkischen Menschen, auf den Kriecks „Nationalpolitische Erziehung" abzielt. Was haben wir nun jüdischereeits Entsprechendes geleistet? Wollen wir auf die richtungweisende Kraft eines Typus bei unserem pädagogischen Tun verzichten? Was wir erstreben müssen, ist ein Typus, den man die „dialogisch-ökumenische Persönlichkeit/' nennen könnte. Dialogisch soll dieser Typus sein, weil seine Bildung sich auf der Basis der hamitisch-semitisch-japhetitischen Kulturtradition vollziehen soll, und ökumenisch, d.h. menschheitlich, weil er trotz allem Erdenleid, trotz aller Bitternis, die gerade uns widerfährt, den Glauben an die Herrschaft des Messias über die gesamte Menschheit dennoch nicht fahren läßt. Judentum wird jenem Typus ein Letztes, eine Antwort auf das Unbeantwortbare bedeuten: eine Haltung gegenüber dem Unendlichen, gegenüber dem Rätsel der Schöpfung, das uns umfangt. Für die Heraufkunft eines solchen jüdischen Menschen wollen wir alle Hand anlegen, im Bewußtsein der „dialogischen" Struktur unseres Daseins stets eingedenk des Wortes von Martin Buber: „Die Mischung bleibt, aber wir wollen Herren und nicht Knechte der Mischung sein." Paul Eppstein: Zur Programmatik der judischen Erwachsenenbildung Trotz all seiner seelischen und wirtschaftlichen Bedrängnis gleicht das deutsche Judentum in dieser Zeit einer großen Schule. Allerorten in den Gemeinden, in den Bünden, in den Organisationen finden Vorträge und Lehrgänge ihre Hörerschaft Es fehlt nicht an „Veranstaltungen", an Organisationen und Dispositionen. Eines der größten Verdienste der „Mittelstelle für Erwachsenenbildung" ist, daß sie all diesen Ansätzen und Versuchen gegenüber die Gewissensfrage nach der Programmatik der jüdischen Bildungsarbeit gestellt und immer wachgehalten hat. Denn nur, wenn das Institutionelle an der großen Aufgabe gemessen, ihr angemessen bleibt, wird jenseits eines äußerlichen Bildungsbetriebs wirklich gelernt, über diese Zeit hinaus Wirkendes geschaffen. 497