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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 492

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Die Legitimität des Geistes gegenüber dem Glauben
Date
1935-02-01
Page
492 (sequence 5)
Language
German
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Fritz Friediaender: Grenzen der Kulturautonomie Alles muß ineinandergreifen. Eins durdi das andre gedeihn und reifen. Novalis Als im ersten Jahre des Dritten Reiches die schlagartig veränderte Position der deutschen Juden auch eine Neuordnung ihrer kulturellen Lage erforderlich machte, unterbreitete Ernst Krieck an repräsentativer Stelle („Volk im Werden" Jg. I Heft I) den nachstehenden Vorschlag: „Die Juden sollen als nationale Minderheit ihre jKulturautonomie* aufbauen und mit eigenen Schulen auch eigene Wissenschaft und Hochschule betreiben." Damit hatte ein namhafter Vertreter des Nationalsozialismus an die Adresse der deutschen Judenheit eine unmißverständliche Aufforderung gerichtet. Wie haben die Angesprochenen auf sie reagiert? Stehen sie im Begriff, eine „Kulturautonomie", d.h. eine selbständige, von der deutschen Um- und Außenwelt unberührte und unabhängige Gestaltung ihrer kulturellen Position aufzubauen? In welchem Sinne legten sie den Inhalt der geforderten Kulturauto- (Schluß von Seite 491) Gottes im gottesebenbildlichen Menschen — kann nur der Einzelne, der nicht bloß Gruppenwesen ist, sondern der bereits um sich selbst weiß, weil er um Gott weiß. Dieses Wissen allein befreit von dem Eingesponnensein in die Zeit, in Zeitideen und Zeitbewegungen, befreit von der mythischen Existenz. Der messianische Mensch ist der nicht bloß in der eigenen Zeit lebende, sondern der über das eigene Jahrgangsschicksal hinausgehobene Mensch. Der mythische Mensch lebt im Symbol — Fahne, Abzeichen, Lied —, ohne daß er doch vom Schicksal des eigenen Lebens befreit wird. Er hat die Kraft zum Fatum, aber nur dazu. Das Fatum ist immer das eigene Fatum. Der Weg aber, der die Schicksale der Menschen über die Grenzen der Zeiten hinweg verbindet und so vom eigenen Schicksal, vom Fatum, erlöst, ist der Weg, den der vom Mythos sich loslösende Mensch schreitet. Mythos und Geschichte sind Gegensätze. Echte Geschichte ist nur messianische Geschichte. Alles andere ist nicht Geschichte, sondern Spiel, Rausch, Wahn, Traum — Tod. Unser Herz aber will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit. Das Symbol ist immer Zeitsymbol. Vom Symbol zum Buch, vom Mythos zum Glauben, von der Amor fati zur Hoffnung, von der Fahrt zum Weg, von dem einährigen Jahrgängeverband zur Gemeinschaft, die Junge und Alte verbindet — das ist die jüdische Forderung der Stunde. 492

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