Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1935)
- Article
- Die Wanderungsziele der sephardischen Emigranten
- Date
- 1935-01-01
- Page
- 448 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Annette Merhoim / Die Quellen lang versunken Aus dem im Verlag OreUFäßli, Zürich-Leipzig, erscheinenden Band „Gedichte und Spiele" bringen wir folgende Probe: Die Quellen lang versunken, Sie brechen wieder auf. Ich lausche horchend, trunken, Was will aus mir herauf? Was steigt aus dunklen Tiefen, Verborgen quillt7s, wird groß. Gedanken sind's, die schliefen Zutiefst in meinem Schoß. Und wie den Weg sie finden, Wird mir das Herz verletzt. Ich liege ohne Rinden, Den Stürmen ausgesetzt. (Schluß von Seite UU7) lebhafte Handelsbeziehungen nach den Häfen des Mittelländischen Meeres. Luxusgegenstände, Edelsteine, Getreide, Wolle, Flachs, Seide und Kolonialwaren waren die wichtigsten Handelsartikel. Auch als Reeder und Lieferanten von Kriegsmaterial spielten die sephardischen Juden eine wichtige Rolle. Die jüdischen Kaufleute investierten erhebliche Kapitalien in den Unternehmungen der westindischen und ostindischen Kompanie, die für den Überseehandel von größter Bedeutung waren, und nahmen an der Amsterdamer Börse eine führende Stellung ein. Ohne Zweifel haben die sephardischen Juden einen erheblichen Anteil an dem gewaltigen Aufschwung, den der Handel der Niederlande zu jener Zeit nahm. Aber auch das geistige Leben der sephardischen Juden in Holland entfaltete sich. Es gab unter ihnen zahlreiche Gelehrte und Künstler. In erster Reihe stand hier Manasse ben Israel (1604 —1657), der sowohl als Politiker wie als vielseitiger Schriftsteller — er schrieb seine Werke in hebräischer, spanischer und lateinischer Sprache — einen bedeutenden Namen hatte. Seine guten Beziehungen zu den christlichen Gebildeten jener Zeit lassen auf das Verhältnis der Juden zu ihrer christlichen Umgebung schließen. Das religiöse Leben war beherrscht von einem Rabbinismus, der seine -tieferen Ursachen wohl in dem Bestreben hatte, den vielfach erst jetzt wieder zum Judentum Zurückkehrenden feste Bindungen zu geben und die neue jüdische Gemeinschaft innerlich zu stärken. Die Tragödien des Uriel da Costa und des Baruch Spinoza zeigen, wie groß die Macht dieser Bindung war. 448