Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1935)
- Article
- Mußkaufmann?
- Date
- 1935-01-01
- Page
- 433 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der junge Kaufmann Wir geben zu dem Problem kaufmännischer Berufswahl zwei Mitarbeitern das Wort, die aus eigener Berufserfahrung sprechen. Die Sdiriftleitung Mußkaufmann? (Brief an einen jungen Freund) Du bist also nun wohlbestallter „Stift" und dabei, merke ich, noch nicht von Zweifeln frei, ob dieser Weg für Dich der rechte ist. Ich kenne diese Zweifel gut, aber mit ihnen mußt Du letztlich allein fertig werden; es kann gewiß nicht schaden, einen solchen Entschluß oft und oft zu prüfen, bis man zu dem Punkt gelangt, an dem es nur ein ganzes Ja gibt, denn Du weißt selbst, daß es ohne dieses Ja nicht geht. Als unsere Väter ihren Beruf wählten, war es durchaus in der Ordnung, Kaufmann zu werden. Es war damals vorauszusehen, daß man mit Fleiß und Sparen nach menschlichem Ermessen in absehbarer Zeit zu bescheidenem Vermögen, mit diesem zu Selbständigkeit und eigener Familie kommen konnte. Dem Befähigten winkte darüber hinaus Wohlstand, vielleicht Reichtum in nicht unerreichbarer Ferne. Trotzdem war die soziale und gesellschaftliche Höherwertung des Akademikers unumstritten — nicht umsonst hat meine ehrgeizige Großmutter den größten Wert darauf gelegt, ihre Töchter an Akademiker zu verheiraten. Die Linie dieser Entwicklung war klar und — das wußten Einsichtige längst — ungesund. Als ich mich in der bewegten Zeit nach Kriegsende entschloß, Kaufmann zu werden, war dies schon keineswegs mehr selbstverständlich, denn „in unseren Kreisen" wurde schon weitgehend nur mehr Kaufmann, wem aus Eignungs¬ oder Geldgründen kein anderer Weg offenstand. „Studieren dürfen" war ein Vorzug, den man nicht leicht ablehnte, wenn man ihn haben konnte. Diese Frage wird heute nicht mehr gestellt, manche andere aber ist noch gleich: Was verlangen wir als junge Menschen von einem Beruf, von der Tätigkeit, der wir den überwiegenden Teil unserer Zeit und Kraft schenken? Gewiß zuerst, daß uns der Gegenstand gegeben wird, für den es lohnt, sich einzusetzen. Das bedeutet, wir wollen 433