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Der Morgen · 1934-12-01 · Heft 9 (Dezember 1934) · p. 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 9 (Dezember 1934)
Article
Die kümmerlichen Zeiten dauern fort [Rezension]
Date
1934-12-01
Page
424 (sequence 3)
Language
German
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gewissermaßen als Patriot der Bibel empfand, ändert nichts an dem Ergreifen seiner Ergriffenheit (und der Aktualität) in folgenden Sätzen: „Also waren jetzt wieder so viel Juden, gleichsam ein neuer Anflug, in der verödeten Heimat. Aber es gehörte eine große Liebe zu dem vaterländischen Boden und ein großes Vertrauen auf Gott dazu, daß sie nicht vor Betrübnis und Mutlosigkeit vergingen, als sie an dem Ziel ihrer Reise und ihrer langen Sehnsucht waren... Da war viel wegzuräumen und herzustellen, und ob es gleich überall gebrach, so taten die guten Leute alles, was sie vermochten, und sind ein Beispiel, was auch in der bösen Zeit der Mensch mit gutem Willen und Vertrauen auf Gott vermag, und wie Gotteskraft auch in den Schwachen mächtig ist. Zuerst errichteten sie zwar nur einen Altar und feierten das Laubhüttenfest, weil es die Jahreszeit mit sich brachte, obgleich sie noch keinen Segen in dem Lande heimgetan hatten. Sonst baut man zuerst die Stadt oder das Dorf, hernach die Kirche. Die Juden dachten aber zuerst daran, wie sie den Tempel wieder bauen wollten. Aber was alte Leute unter ihnen waren, welche den Umfang und die Herrlichkeit des ersten Tempels noch gesehen hatten, die weinten vor Betrübnis, als sie den ärmlichen Anfang des neuen sahen. Man konnte das Wehklagen der Alten und die Freudengesänge der Jungen in der großen Menge nicht unterscheiden. Tränen und Freuden sind oft nebeneinander ...Jerusalem war nun wieder gebaut. Der Gottesdienst war wieder eingerichtet. Auch das Land bevölkerte sich wieder allmählich. Aber die schönen Zeiten Davids wollten nicht mehr zurückkehren . . . Ein preiswürdiges Heldengeschlecht, die Makkabäer, machten das Land wieder frei von aller fremden Herrschaft. Viel Blut wurde um die edle Freiheit vergossen. Aber die schönen Zeiten Davids wollten doch nicht zurückkehren..." Und die Überschrift dieses letzten Kapitels, dessen trauriger Bericht mit einem Satz über die armen jüdischen Messiashoffnungen schließt, lautet: „Die kümmerlichen Zeiten dauern fort . . ." ch. Neue Zeitsdtriften Im Verlag Le Renouveau, Paris— Zürich, erscheint „Der Ausweg", Zeitschrift für Umschichtung, Wanderung, Siedlung. Die erste Nummer enthält, nach einem Geleitwort des Kommissars für Flüchtlingsfürsorge beim Völkerbund, I. G. Macdonald, Arbeiten über „Auswanderung und Emigration", Umschichtungserfahrungen und Berichte über Siedlungsmöglichkeiten aus Palästina, Zypern und Korsika, einen juristischen Briefkasten und Glossen. Im Auftrag des Pauluswerks und mit kirchlicher Druckerlaubnis, die ein Geleitwort des Wiener Erzbischofs Innitzer unterstreicht, beginnt „Die Erfüllung" (Verlag Reinhold, Wien—Leipzig) ihr Erscheinen. Sie „nimmt von der Judenfrage ihren Ausgang" und will, wie ihr Programm erkennen läßt, unter voller Würdigung der historischen und heutigen Bedeutung des Judentums, „einer Begegnung" der Juden mit christlichem Geiste und „einer Begegnung der Christen mit der Sendung Israels" dienen. Die Erkenntnis, daß „die Existenz des Volkes 424

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