Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1934)
- Article
- Heidentum, Christentum, Judentum [Rezension]
- Date
- 1934-12-01
- Page
- 419 (sequence 2)
- Language
- German
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sagt: „Das deutsche Volk ist durch ein Jahrtausend seiner Geschichte Trägerdes Christusgedankens gewesen, hat die Rolle eines riesenhaften Christopherus gespielt. Das hat sein Wesen geformt, entscheidender und tiefgehender als alle andern Gedanken, in deren Dienst es sich noch befunden hat. Mag das heute dem einen lieb oder verhaßt sein, es ist unser großes geschichtliches Erbe, das in den Meisten und Besten unseres Volkes heute noch lebendig ist und bleiben wird. Das jüdische Volk aber hat sich seit zwei Jahrtausenden im Dienste einer andern Idee befunden und in diesem Dienste sein Wesen auch geschichtlich anders geprägt als wir. Weil ihre Idee nicht nur eine andere, sondern der schärfste Gegensatz zur unsrigen war, daher ist auch das jüdische Wesen dem Deutschen nicht nur ein fremdes, sondern ein feindliches. Der Gegensatz zum Judentum ist daher neben dem rassischen zutiefst ein geschichtlicher. Die Sendung des deutschen Volkes ist der Sendung des jüdischen Volkes zuwider. Das Judentum hatte keinen Anteil an der deutschen Geschichte, solange unser Volk Träger des Christusgedankens war. Und das Judentum wird in alle Ewigkeit keinen Anteil an unserer Geschichte erhalten, solange wir Deutsche unserm christlichen Wesen treu bleiben. . . Der Glaube, in einem entschiedenen germanischen Rassebewußtsein läge auch der größte Gegensatz zum Judentum, ist ein Irrtum. Er ergibt zwar eine klare biologische Scheidung, führt aber im geistigen Leben dazu, daß bis in letzte religiöse Vorstellungen hinein sogar ganz wesenhafte Gemeinsamkeiten mit den Juden sich ergeben. Eine der zentralsten Ideen des Judentums z. B. ist der Gedanke von der Selbsterlösung. Bergmann, Hauer, Reventlow, Wirth haben den gleichen. Derjenige, den nicht die tausendjährige christliche Epoche der deutschen Geschichte verpflichtet, sondern das geschichtlich im Dunkel liegende germanische Heidentum, der wird im Juden keinen Gegner, sondern einen hilfsbereiten Freund finden, wenn er sich daran macht, die christlichen Spuren aus der deutschen Geschichte zu tilgen." „.. aus dem Judentum heraus" Am 23. Oktober jährte sich zum sechzigsten Mal der Todestag Abraham Geigers, am 25. Dezember (oder am 26.; man kennt das Datum nicht genau) sind 100 Jahre vergangen, seitdem David Fried- 1 ä n d e r starb. Beide sind in der Geschichte des Judentums als Beförderer und Träger der religiösen Reform verzeichnet. Doch diese Reform war mehr als ihr Name erkennen läßt: ihrem Ursprung, ihrem Anspruch und ihrer Wirkung nach ist sie der Weg des Judentums in die allgemeine Kultur und seine Neuformung in der Auseinandersetzung mit dieser Kultur. Um sie hat sich der 1750 geborene David Friedländer, Schüler und Freund Mendelssohns und unermüdlicher Petent in Sachen der Emanzipation, ebenso bemüht, wie sie auch stetiges Anliegen des 60 Jahre älteren Theologen Abraham Geiger blieb. Die andeutenden Gedanken, die hier anläßlich der Gedenktage niedergeschrieben werden, wollen keine Bewertung der Einzelleistungen bei- 419