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Der Morgen · 1934-12-01 · Heft 9 (Dezember 1934) · p. 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 9 (Dezember 1934)
Article
Juden in den deutschen Landschaften
Date
1934-12-01
Page
414 (sequence 5)
Language
German
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Otto Neuburger Richard Beer-Hofmann oder Maitin Buber hervorsteigt, ein weiter Bogen gespannt ist. Während Schnitzler und Hofmannsthal, wenn auch beide in einem, nicht ganz gleichgerichteten Sinn, dem deutschen Schrifttum und nur ihm angehören, wird man von Buber und von Beer-Hofmann sagen müssen, daß sie zugleich in einer jüdischen Literaturgeschichte ihren Platz einzunehmen haben. Das Kriterium der Zugehörigkeit zur deutschen Literaturgeschichte kann allein die deutsche Sprache sein. Mit der jüdischen Literaturgeschichte und der hebräischen Sprache verhält es sich dagegen ganz und gar anders. Da dem Judentum der Zerstreuung der Charakter einer geschlossenen Nation nicht zum wenigsten deshalb fehlt, weil es keine Spracheinheit bildet, so kann die Zugehörigkeit zum jüdischen Schrifttum über die Sprachen hinweg nur in dem bewußten Willensakt gefunden werden, der das Inhaltliche im liierarischen Kunstwerk zum jüdischen Wesensausdruck stempelt. Spinoza ist ein europäischer Denker, Maimonides ein philosophischer Deuter der jüdischen Überlieferung. Es gibt eine jüdische Geschichte als die Geschichte der Juden und es gibt eine Geschichte von einzelnen Juden, die mit bestimmten Seiten ihres Wesens und Wirkens den Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte bewahren, als Gesamterscheinungen aber einem außer jüdischen Bereich angehören. Was die deutschen Juden betrifft, so sind sie sowohl dem gesamtdeutschen Wesen, als auch, was Nadler verkennt, ihrer engeren Heimat — großstädtisch bei Georg Hermann, kleinstädtisch bei Jakob Wassermann, dörflich bei Berthold Auerbach — verbunden. Zugleich aber — und soweit er dies meint, ist Nadler auf der rechten Spur — bleibt das Orientalische im Juden, das Buber das „Motorische" genannt hat, der unendliche Aspekt der jüdischen Geschichte: es ist eine Schicht aus der Tiefe, die zugleich durch alle anderen, noch so stark und fest angewachsenen Schichten hindurchwächst. Jeder Versuch, der die Auswirkung des Jüdischen auf die Völker unter einem einzigen Gesichtspunkt zusammenfassen will, muß dashalb an der Wirklichkeit zuschanden werden. Otto Neuburger / Rund um ein Lexikon In knapp zwei Wochen hat das „Philo-Lexikon", bei einer Auflage von i5ooo Exemplaren, die Grenze der Zehntausend überschritten! Ein für ein jüdisches Buch ganz ungewöhnlicher Erfolg. Fragt man nach den Gründen, so liegt die Antwort auf der Hand; Unsere Zeit ist jüdischem Wissen so aufgeschlossen wie kaum eine andere zuvor. Eine Unzahl von Menschen drängt danach, sich über Gebiete, die ihr bisher mehr oder weniger fremd und uninteressant waren, rasch und zuverlässig zu orientieren. Auf der Suche nach einem Hilfsmittel standen ihr bisher nur umfangreiche Werke zur Verfügung: einmal die ,.Encyclopaedia Judaica", von der die Buchstaben A bis L bisher in 10 Bänden vorliegen, und dann das fünf bändige ..Jüdische Lexikon*'; beides sind große, doch auch teure und anspruchsvolle Werke, die weder zur Massenverbreitung bestimmt noch zur Massenwirkung geeignet waren. Es wäre aber falsch zu glauben, daß die an sich naheliegende Idee eines jüdischen „Knaur"' ihr Entstehen erst 414

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