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Der Morgen · 1934-12-01 · Heft 9 (Dezember 1934) · p. 412

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 9 (Dezember 1934)
Article
Juden in den deutschen Landschaften
Date
1934-12-01
Page
412 (sequence 3)
Language
German
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Werner Cahnmann in eine national]üdische Gesinnung einmündet. Nadler, der sonst so aufmerksam auf Lokalfarben achtet, hätte erkennen müssen, daß ein Gebiet dichterer jüdischer Siedlung, ein Bereich, in dem alle Probleme sich zu Nationalitätenkonflikten verdichten, auch die dort lebenden Juden auf eine betont nationale Fassung der Judenfrage hinführen mußte. In der zweiten Gruppe dieser Reihe wird die Fruchtbarkeit von Nadlers Fragestellung schon zweifelhafter. Er bezeichnet diese Gruppe selbst als eine „christliche oder deutsche" Gruppe, wobei das „Christliche" freilich nur für einige inbrünstige Konvertiten wie Siegfried Lipiner oder Rudolf Borchardt zutrifft. Als Vertreter einer deutsch-jüdischen Bindung und Verbindung können Schriftsteller wie Berthold Auerbach oder Jakob Wassermann gelten. Nadler nimmt Auerbach als Beispiel dafür, wie sich der Jude in die deutsche Landschaft auf dem Weg über die Erfassung eines besonderen, in diesem Fall des Schwarzwälder Volkswesens, einfügen könne. Aber Auerbachs naive Identifizierung mit „deutscher Sitte und deutschem Herz" ist ihm „ein Gemisch von Empfindsamkeit, Selbstbetrug und bestechenden Worten"; dagegen meldet er keine derartigen Bedenken an bei den kleineren Geistern dieser Art wie bei dem böhmischen Juden Moritz Reich oder dem ungarischen Juden August Karl Silberstein, dem Herausgeber von Vogls „österreichischem Volkskalender", bei denen er von „Anschluß an den alpenländischen Wirklichkeitssinn" und „wertvollstem Vermächtnis" spricht. Jakob Wassermann aus Fürth, künstlerisch weit über allen Genannten stehend, dringt nach Nadler „in unglaublich raumgesättigten ostfränkischen Romanen . . . durch die erlebte Besonderheit der heimischen Landschaft. . . zum begrif flieh Allgemeinen des Deutschen vor". Dies Zeugnis ist um so wertvoller, als er auf der anderen Seite das unheimlich Jüdische bei Wassermann, den „Geist vom Geist der Kabbalah, die tötende Magie der Sätze, die das Herz mit Grauen umspinnt und den Alten beklemmt" mit tief dringendem Blick erkennt. Es will viel heißen, wenn ein Mann wie Nadler bekennen muß, daß „Wassermanns Werke . . . den reinlichen Willen bekunden, beide Welten in eine höhere Lebensgemeinschaft zu setzen". Hier haben wir den Mittelpunkt, um den alle Betrachtung des Schrifttums der deutschen Juden kreisen sollte. Weniger von „beiden Welten" als nur von einer, der deutschen, unter Hintansetzung der jüdischen, ist die Rede bei einer weiteren Gruppe von Schriftstellern, bei der Nadler bezeichnenderweise vielfach die sonst so fleißig angemerkte Benennung als „Jude" oder „Halbjude" vergißt. Er vergißt sie nicht bei Heyse, bei Mosen, bei Detmold; wohl aber bei dem Hegelianer Rosencrantz, bei dem Lyriker Mombert und bei Rudolf Borchardt, dessen „inneres Gefüge" er als „ostdeutsch" und aus „großer germanischer Überlieferung" gespeist bezeichnet; doch wäre gerade diesem merkwürdigen Literaten gegenüber, der das germanische Erbe mit der Geste des Gralshülers verwalten will, während er sein eigenes jüdisches Erbe in der Furcht des Renegaten wegwirft, eine Auseinandersetzung notwendig. Dagegen erscheint es wahrscheinlich, daß er um das Jüdische wohl als Tatsache gewußt, es aber nicht in sein System einzufügen gewußt und deshalb klüglich verschwiegen hat bei dem Königsberger Kriegsgefallenen Walther Heymann, „der sich an der preußischen Küstenlandschaft, ihren geschichtlichen Fernblicken und dem Nalurwuchs deutscher Vergangenheit in die deutsche Seele einfügt" und bei dem Wiener Magier Hugo 412

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