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Der Morgen · 1934-12-01 · Heft 9 (Dezember 1934) · p. 403

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 9 (Dezember 1934)
Article
An der Grenze
Date
1934-12-01
Page
403 (sequence 7)
Language
German
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Lothar Bauer: ScflickSdl itl Zählen Die Juden in der Volkszählung 1933 Das Interesse, das man in allen Teilen des deutschen Judentums den Ziffern der Volkszählung vom 16. Juni 1933 entgegengebracht hat, ist ein Zeichen des Bedürfnisses nach klarer Erkenntnis der jüdischen Situation in Deutschland, nach Merkmalen als Zeichen der Richtung, die man eingeschlagen hat und über deren Ziel man sich noch nicht klar ist. Man darf derartige Ziffern nicht überschätzen. Sie geben zwar eine Photographie des Bestands an deutschen Juden am Zählstichtag, aber der Stichtag fiel mitten in eine Periode der Unruhe und des Wechsels, so daß er heute schon weitgehend überholt ist. Die Statistik verzeichnet eine jüdische Be- (Fortsetzung von Seite 402) Der alte Michenschwitz sagte mit Recht von sich, daß er nie ein Heiliger gewesen wäre, aber gerade darum traf ihn der diesmal (wirklich und wahrhaftig, ich will sonst auf der Stelle tot umfallen!) ungerechtfertigte Verdacht um so schwerer. Am anderen Morgen lag der leere Bohnensack vor der Tür von Michel Milzens Laden, und weil einige Hühnerfedern daran hingen, war Michenschwitz überzeugt, daß der große Ock der Bohnendieb war. Aber was fing der große Ock mit den Bohnen an? Er verdaute zwar gelegentlich auch Rattengift, aber er aß gewiß keinen Zentner Bohnen roh, und eine Kochgelegenheit hatte er weder im Hühnerstall noch sonst. Für den alten Michenschwitz war es nun klar, daß der große Ock Gott auf seine Weise gedient und die vielen Bohnen in den Vorgarten der Synagoge gepflanzt hatte. Und da der große jüdische Gott selbst das Opfer eines Vollidioten annahm und zum Zeichen seines Dankes in solcher Blütenpracht aufgehen ließ, wollte der kleine alte Michenschwitz gern auch die Bürde dieses Verdachtes auf sich nehmen, ohne zu murren, um Gottes willen. Nur als er in der Synagoge hinten an der Bank vorbeikam, auf der Michel Milz saß und seinen Gebetmantel auspackte, konnte er sich doch nicht enthalten, diesem zuzubrummen: „Nu, Michel, hast Du gesehen Deinen Sack Bohnen wachsen im Garten?" Da Michel Milz tat, als wenn er nichts gehört und nichts gesehen hätte, sagte Michenschwitz: „Auch gut!" und begab sich auf seinen Platz. (Fortsetzung folgt) 403

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