Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1934)
- Article
- Vom Recht der Wenigen
- Date
- 1934-12-01
- Page
- 381 (sequence 1)
- Language
- German
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DER MORGEN / MONATSSCHRIFT DER DEUTSCHEN JUDEN BEGBÜNDET VON PBOFESSOB DB. JULIUS GOLDSTEIN, DABMSTADT 10. JAHRGANG DEZEMBER 1934 HEFT 9 Vom Recht der Wenigen Chanukka ist und bleibt der stärkste Erweis für die Wahrheit und Wirklichkeit jener einzigartigen Paradoxie, unter der das Schicksal der Juden steht: die Ältesten und doch die Jüngsten, die Schwächsten und doch die Starken, die Wenigen und doch die Bleibenden zu sein. Jüdisches Schicksal in der Welt ist immer das Schicksal der Wenigen gewesen. Diese Erkenntnis ist nicht von dem Wunsche bedingt, aus der Not eine Tugend zu machen und einem vielfach anormalen undüberwindenswert erscheinenden Dasein eine nachträgliche jüdische Rechtfertigung zu geben. Die Gewißheit wächst vielmehr aus der Einsicht in die Richtung des Weges, den das J udentum von U r b e g i n n an ging. Seit den Tagen, da Abraham sich von seiner heidnischen Umwelt löste, um seinen eigenen einsamen Weg zu gehen, ist der Weg aller Geschlechter aus Abrahams Samen immer ein Weg der Wenigen und darum auch der Einsamen gewesen. „Nicht, weil ihr zahlreicher seid als alle Völker, hat der Ewige euer begehrt und euch erwählt, denn ihr seid die Wenigsten von allen Völkern" (5. B. M. VII, 7). Als ein gestaltendes und formendes Prinzip ist dieses Gesetz der Wenigen dem jüdischen Schicksal unlöslich eingeschmolzen. 381