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Der Morgen · 1934-11-01 · Heft 8 (November 1934) · p. 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 8 (November 1934)
Article
Rückblick auf Walther Rathenau [Rezension]
Date
1934-11-01
Page
379 (sequence 1)
Language
German
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Rückblick auf Walther Rathenau Zwölf Jahre nach dem Tode von Walther Rathenau sammelt J.F.Lehmanns Verlag in München zwei Aufsätze, die Reichsminister Darre in der Zeitschrift .„Deutschlands Erneuerung" in den Jahren 1926 und 1928 zum erstenmal niedergeschrieben hatte. Die Aufsätze heißen „Walther Rathenau und das Problem des Nordischen Menschen" und „Walther Rathenau und die Bedeutung der Rasse in der Weltgeschichte". Sie bestehen fast nur aus Zitaten nach dem 1908 bei S. Hirzel in> Leipzig erschienenen Buch: „Reflexionen", in denen Rathenau die Bedeutung der Rasse in der Weltgeschichte eindringlich hervorhebt. Darre verfehlt nicht, bei dieser Gelegenheit auf einen anderen jüdischen Staatsmann der neueren Zeit, Benjamin Disraeli, Earl of Beaconsfield, hinzuweisen und daran zu erinnern, daß Disraeli in seinem 1844 erschienenen Roman „Coningsby, or the new generation" das Wort von der Rassenfrage als dem „Schlüssel zur Weltgeschichte" zuerst ausgesprochen hat. Man darf aber Disraeli, was die Beurteilung der Rassenphänomene betrifft, nur in einem recht äußerlichen Zusammenhang mit Rathenau in Vergleich stellen. Disraeli war, wenn auch in seiner Jugend christlich getauft, ein bewußter Jude und stolz auf seine orientalische Abkunft. Wenn man die Schriften von Rathenau nach Jahren wieder liest, bemerkt man, daß er an seinem jüdischen Erbteil schwer gelitten haben muß. Ein Satz aus den „Ungeschriebenen Schriften" (CXVIH) heißt: „Ohnegleichen inderGeschichte ist die Vergeudung des jüdischen Geistes in den letzten beiden Jahrtausenden. Das scharfsinnigste aller Völker schüttet die Geisteskraft von 60 Generationen in den Abgrund systemloser, irrealer Kasuistik und RabuKstik. Hier wird der kosmische Wert germanischer Synthese und Transzendenz im Kontrast deutlich: Ein Hauch dieser Richtkraft hätte genügt, um die verworrenen Kräfte zur Sonne der Wesentlichkeit zu weisen." Die Ergänzung zu diesem Satz steht auf Seite 15 des Aufsatzes „Von Schwachheit, Furcht und Zweck" und lautet: „Und so wäre man wieder bei jenem wunder- und geheimnisvollen Urvolk des Nordens angelangt, dessen blonde Häupter wir so gern mit aller Herrlichkeit des Menschentums krönen." In solchen Sätzen tut sich uns ein tiefer Blick auf in die zwiespältige und tragisch versponnene Natur von Walther Rathenau. Darre sagt (S. 11), daß Rathenau verkehrterweise zum „Vorkämpfer demokratischer Gleichmacherei" gestempelt worden sei. „Wer sich mit der Persönlichkeit Walther Rathenaus beschäftigt, wird in ihm sehr bald den unbedingten Herrenmenschen erkennen." Und wahrlich, wenn das Ende für den Anfang zeugen darf, so hat sich in der Unerschrockenheit, mit der Rathenau in jenen Tagen nach Versailles seinen Posten bezog und von deren Glanz umstrahlt er gestorben ist, die unverwechselbare Art des Mutmenschen gezeigt. Aber Rathenau wußte, daß nicht der frische und unbekümmerte Mut, den er an den blonden Heroen seiner Vorstellungswelt so sehr bewunderte, seine Sache gewesen ist, sondern eine in 379

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