Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 8 (November 1934)
- Article
- Die religiöse Situation in Palästina
- Date
- 1934-11-01
- Page
- 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2895450-2895526-2895534-2904383--07498-2904429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wie sind wir eingebunden, ein jeder fest in seinen Ring geschlossen, wie enge! Die hellen Wandelsterne, beinah verschwunden, dämmern blaß. — Du Herz, Du Welt, es wurde Schmerz, und Ferne wird! Wann lernst Du das: alles ist Ferne. ///.' Klarheit Auch wir: Gestade der Unermeßlichkeit! Ströme von Gnade münden in die Zeit. Sternsame streute sein lauter Gold auch uns gewiß, wir werden keiner Finsternis zur Beute. Schon keimt aus Rissen, verzweigt sich, was uns eingesät. Wohl wird die Ernte spät, — aber wir wissen: Gestirn, das ferne hat Saat herabgestreut, leise blühn die Sterne in uns erneut. (Schluß von Seite 350) Die entscheidende Tatsache ist eben, daß die Zionsliebe Teilkomponente eines größeren Komplexes ist, und daß sie von ihm losgelöst gleich einem abgeschnittenen Aste verdorren müßte. Dies ist die integrale Erlösungsbewegung des jüdischen Volkes, welche die Wiederbelebung des Landes als heiligen Landes, der Sprache als heiliger Sprache, des Volkes als heiligen Volkes erstrebt. Es kann natürlich sein, daß der Zionismus diesen seinen wahren Sinn verfehlt und sich den Quellen seiner Kraft entfremdet. Aber daß es gelingen sollte, das jüdische Volk zu verweltlichen und zu einem Volke wie alle Völker zu machen, ist unsinnig. Denn Zionismus wird religiös sein oder er wird nicht sein, obzwar wir heute nicht wissen können, welche Form jene Religiosität bei späteren Geschlechtern annehmen wird. Beweisen läßt sich das nicht: es ist ein Vertrauen auf die organische Einheit der jüdischen Substanz, aus der sich Lehre, Volk, Sprache, Land nicht beliebig herausreißen und isolieren lassen. 351