Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 316

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Religiöse Bewegung um uns [Rezension]
Date
1934-09-01
Page
316 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895526-2895533-2904243--07443-2904353
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Presseschau: Religiöse Bewegung um uns Es entspricht durchaus der bisherigen engen Verbindung der evangelischen Kirche mit dem staatlichen Leben, daß sich im Bereich des Protestantismus eine stärkere Bewegung bemerkbar macht als im Raum des Katholizismus. Wenn hier versucht werden soll, einen Oberblick über den derzeitigen Stand des Ringens innerhalb der evangelischen Gemeinschaft zu geben, soll selbstverständlich von allen kirchenpolitischen Fragen Abstand genommen werden. Hier handelt es sich nur darum, die religiösen Kräfte aufzuweisen, die in den verschiedenen theologischen Fronten wirksam sind. Über die inneren Triebkräfte, die den Kampf ausgelöst haben, unterrichtet in sehr sachlicher und tendenzloser Darstellung ein Aufsatz des früheren Herausgebers der evangelischen Zeitschrift „Die Christliche Welt", Professor Martin Rade: Zum inneren Verständnis der Situation (Christliche Welt Nr. 11, 1934). Rade weist zunächst auf den religiösen Charakter des Nationalsozialismus hin. Er offenbare sich schon an der tragenden Idee des Nationalsozialismus: an dem Begriff des totalen Staates. „Total" ist ein Wort aus der religiösen Sphäre. Total bedeutet das Unbedingte, das Konkurrenzlose, das Absolute. Damit will der Nationalsozialismus keine neue Religion stiften. Das Parteiprogramm spricht vom „positiven Christentum". Und der Reichskanzler Adolf Hitler hat am 23. März 1933 ausdrücklich im Reichstag erklärt: „Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen die wichtigsten Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums." Damit waren die positiven, schaffenden Kräfte des Christentums eingeladen und aufgefordert, am Neubau des Reiches mitzuwirken. Die evangelische Kirche, die dem Staat nie politische Schwierigkeiten bereitete, fand sich auch sofort zu einem solchen Bündnis bereit. Erster Ausdruck dieser Gemeinsamkeit des Wollens sei das Auftreten der „Deutschen Chrir sten" gewesen. Damit war aber gleichzeitig ein lebenswichtiges Problem für den Protestantismus gegeben: „Man konnte, von der programmatischen Proklamation des „positiven Christentums" ausgehend, seine Mission darin erkennen, im neuen Reich das christliche Erbgut dem deutschen Volke zu erhalten, ja erst recht in ihm stark und lebendig zu machen (Christliche Volksmission). Oder aber, ergriffen von den neuen Antrieben der nationalsozialistischen Bewegung, wie sie eben von vornherein auch religiöse Kräfte, religiöse Art in sich trug, konnte man seine Aufgabe darin sehen, die deutschen Kirchen mit dem neuen nationalsozialistischen Geiste zu erfüllen, sie dadurch umzuwandeln und zu beleben. (Auch das konnte man Volksmission nennen.) Beides wurde ohne Verzug gewollt und in Angriff genommen. Beides konnte sich vertragen, geradezu eine ideale Symbiose erleben. Beides aber aber konnte auch in Zwietracht auseinandergehen. Innerhalb der „Deutschen Christen" arbeiten beide Tendenzen 316

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.