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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 315

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Zwiesprache mit Martin Buber
Date
1934-09-01
Page
315 (sequence 5)
Language
German
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Zwiesprache mit Martin Buber Eros möglich (statt der monologischen Vielgeschäftigkeit Don Juans!), und dem ist auch die echte Gemeinschaft möglich. * In strenger Befolgung der eigenen Lehre stellt sich Buber zum Schluß dem Gespräch mit dem Gegner und sucht gerade darin die „Bewährung". Es ist kein fingierter Gegner, sondern Buber hat den Ernst seiner Fragen mündlich und schriftlich wie vor allem in schweigender Ablehnung und Abkehr oft und schwer gespürt. Seine Rede ist diese: Deine zwei Menschen auf der einsamen Bank sitzen im wirtschaftslosen Raum, und die Menschen deines Religionsgespräches sind müßige Intellektuelle. Unser Leben aber ist das des Großstadtbetriebes und der Arbeitslosigkeit: es hat keinen Ort für dein Sakrament des Dialogischen. Buber antwortet mit einer Aussage, keineswegs mit einer Forderung. Die Aussage lautet: das dialogische Verhalten hat überall Raum. Ja, es wird um so nötiger, wenn auch um so schwerer, um so entscheidungsreicher, wenn auch um so gehemmter, je mehr die soziologische Bedingtheit des Menschen zweifellos wächst. Die Stimme der Gewißheit, mit der diese letzten Worte gesprochen werden, ist leise, aber sie ist fest. III. Haben wir eine Antwort gefunden? Noch nicht. Wir fanden drei Ansätze zu Antworten: die erste stellte unser gläubig-kritisches Harren auf ein neues Echo der Offenbarung dar, die zweite sicherte den Wissenschaften Grenzen und Recht, die dritte ließ in der echten Begegnung zwischen der Ichwelt und der Duwelt die gemeinsame Schöpfungswelt wieder auftauchen, und die vierte nun und letzte sucht den Ort dieser Gesamthaltung im sozialen Chaos unserer Zeit zu bestimmen: als eine Haltung, die in jeder Zeit, wenn auch unter verschiedenen Formen möglich, die vor allem jeder Gesellschaftsordnung als innerster Odem lebensnotwendig ist, um die kostbare Substanz unversehrt durch die Gefahren zu tragen. Die Stücke der Antwort bleiben noch Stücke: fügen sich noch nicht zum Ganzen. Buber sagt nicht mehr als er weiß. Vieles reizt zum Widerspruch: so vor allem die sogar in solcher Kürze schwer hinzunehmende gleichmäßige Negierung der kapitalistischen und der sozialistischen Irrwege. Auch unter den Götzen, die Franz Rosenzweig einmal als wirkliche, aber geschaffene Götter vom einen Gotte der Schöpfung unterschieden hat, gibt es Unterschiede des Ranges: der Götze der Vergangenheit ist geringer als der Götze der Zukunft, selbst vor dem Antlitze der ewigen Gegenwart. Denn in jenem steigt nur das Tote gespenstisch wieder auf, während in diesem eine Wegstrecke wirklich, zu lebenden Lebens, ein wirkliches Stück Säkulum, sich irrend und ringend, doch gewaltig Gestalt zu geben sucht. * Buber ist mit uns auf dem dunklen Weg. Die Fackel der Wahrheit hält er nicht in der Hand, so wenig wie irgendeiner heute unter den Menschensöhnen. Aber das fernher leuchtende Licht leitet ihn und uns. 315

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