Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1934)
- Article
- Die Sendung des Heils
- Date
- 1934-09-01
- Page
- 304 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Manfred Sturmann Glaube nicht leicht an eines Menschen pure Heuchelei! Die Züge, die seine Maske vortäuscht, sollten vielleicht sein wahres Gesicht ausmachen oder machen es gar insgeheim wirklich aus. ♦ Wäre das nicht Buße, Läuterung und Seligkeit in einem, wenn wir, die jetzt verhüllt miteinander leben, uns einst mit durchsichtigen Seelen wieder begegneten? -* Ein Gebet: mache du wahr, was wir lügen! Reinstes Gottvertrauen ist inhaltslos: du vertraust nicht auf ihn, daß er . . . — du vertraust auf ihn. Daß Gott uns nicht zwingt, das ist seine Härte. Manfred Sturmann: jL,ea erholte sich bald von dem Geheimnisvollen, das ihr geschehen war. Sie kam wieder zu Kräften und widmete sich dem Hause wie früher. Die drei bösen Tage, da sie fort war, waren wie ein furchtbarer Traum vom lichtenden Morgen fortgescheucht aus den Falten der Nacht. Niemand im Hause sprach mehr davon, doch über das Glück Rabbi Amrams war ein Schatten gefallen, so als wollte ein schweres Verhängnis sich ankündigen, die Menschen zu warnen. Der Rabbi grübelte und grübelte, was das rätselhafte Verschwinden seines Weibes zu bedeuten hatte. Er befand sich am Rande des Wissens, in dieses Geheimnis gab es kein Eindringen. Hier war ihm die Grenze gesetzt. Er kannte die Geheimnisse des Lebens und des Todes — was aber war sein ganzes Wissen und seine Gelehrsamkeit wert, wenn er hinter dieses eine nicht zu kommen vermochte! Dies Geheimnis stand zwischen ihm und seinem Weibe. Und wenn er Lea auch an sich zog, wenn er sie auch umarmte — sie war ihm entfernt, ein Berg stand zwischen ihnen: das Geheimnis. * Die Sendung des Heils (Schluß) 304