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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 303

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Sätze
Date
1934-09-01
Page
303 (sequence 6)
Language
German
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Sätze führe! Es gibt eine exotisch reizvolle Ansicht des Gehorsams aus dem Gesichtspunkt des Schweifenden, — sie macht auch die Heimat noch süß und falsch wie ewige Fremde. # Einer über den allzu wendigen Dritten zum andern: „Er hat aber doch die besten Absichten!" — Der andre: „Da er alle Absichten hat, hat er auch die besten." * Das Auge ist nicht da, um zu sehen. Es ist da und sieht. * Der Sinn rechtfertigt den Zweck, nicht der Zweck den Sinn. * Die Zauberkraft des Namens quillt daraus, daß, während alle andern Bezeichnungen — Einreihung, Ausschließung, Beschreibung — den Gegenstand da und dort, an Hand oder Rockzipfel fassen, er, der Name, ihn nirgendwo berührt, um sich seiner durch Einzelheiten zu versichern, vielmehr nichts will als das einige Ganze des Gegenstands, diesem Ganzen allein traut und ihm deshalb ins Herz spricht. * Uns winkt wohl nicht wie den Alten Hoffnung auf magische Gewalt über ein Ding oder Wesen aus dem Wissen um seinen geheimen Namen, aber eine neue Hoffnung aus der Kraft, seinen offenen Namen in Wahrheit zu rufen. * Glaube nicht, daß Namen das Benannte nicht zu ändern vermöchten! Der Name umreißt und hält fest. Wer heimlich Wachsendes aufspürt und benennt, ehe es dem Licht zugereift ist und nach dem Halt des Namens tastet, der bannt es vorzeitig in Form und verwirrt, verfälscht, zerstört vielleicht sein Wachstum. Habe den Mut und die Zartheit, mit Namenlosem zu leben! * In einer Stadt ist der unverkleidete Ziegelbau altheimischer Art wieder modisch geworden. Da und dort, wo die schöne Ziegelfassade übermalt oder verputzt war, schält man sie nun heraus. Ja, Bauten aus schlechterem und anderem Stoff schmücken sich mit einem Anstrich, der eine solche Fassade vortäuscht. Wieder andere Häuser tragen sie noch verborgen, weil sie die schützende Hülle überm Ziegelwerk nicht entbehren sollen; diese Häuser macht man modegerecht, indem man, was sie innen unterm Verputz tragen, außen auf den Verputz aufmalt. Nun müssen sie vortäuschen, was sie sind. 303

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