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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Der Dreitage-Jude
Date
1934-09-01
Page
295 (sequence 1)
Language
German
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Leo Hirsch: Der Dreitage-Jade Kritik eines Ubergangs .. wie der Abstinent, der ein Sdilückdien genehmigte, es nicht vertrug und im Rausch über einen Strohhalm stolperte, den ihm ein Windstoß vor die Füße zu blasen die Grobheit hatte . . Dickens Das Schlagwort „Dreitagejuden" meint solche Glaubensgenossen, die es eigentlich nur dreimal jährlich sind, indem sie nur an den hohen Feiertagen die Synagoge beehren. Der Ausdruck ist populär und hat einen leicht spöttelnden Beiklang, und wenn wir im Bereich dieser Art Formulierungen bleiben wollen, können wir feststellen, daß der Vorgänger des Dreitagejuden jener hyperorthodoxe Typ (nicht nur aus Frankfurt) ist, der am liebsten „den lieben Gott bei den Füßen packt", während sein Nachfolger jener Liberalissimus bleibt, der „vom Judentum nur noch eine jüdische Zeitung hält". Man sieht diesen Formulierungen an, daß sie echte Vorkriegsware sind. Der Dreitagejude selbst ist natürlich auch ein Überbleibsel aus jener, sagenhaften Epoche, und schon darum soll man ihn nicht mehr verspotten. Damals konnte er noch stolz sein, daß er so aufgeklärt war, Bibel und Talmud als überholte Entwicklungsstadien anzusehen, und so pietätvoll, sich weder taufen noch feuerbestatten zu lassen. Nein, der Dreitagejude war nicht gottlos, Gott behüte! Er machte nur wenig Gebrauch von seiner Religion. Und was macht der Dreitagejude heute? Natürlich dasselbe, Anstandsvisiten. Bloß, heute kann er einem leid tun. Denn heute möchte er vielleicht mehr Gebrauch von seiner Religion machen, aber heute geht es nicht, der Vorrat an Religion ist zu klein, er reicht knapp für die drei Tage aus. Es ist ein Elend. Es ist vielleicht in unserem großen Elend das allertraurigste. Die Dreitagejuden können aus ihrem Judentum, das paradoxer Weise eigentlich nur aus ihrem Mangel an Judentum besteht, nicht heraus. Und man kann ihnen nicht raten. Man kann allenfalls feststellen, wie sie in ihr Elend hineingeraten sind. Der Großvater des Dreitagejuden war ganz gewiß ein frommer Mann, den man nie ohne Käppchen sehen konnte. Ja, der Großvater war so religiös, daß es heute dem Enkel, der inzwischen 4* 295

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