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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 279

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Die Feste der Erlösung
Date
1934-09-01
Page
279 (sequence 2)
Language
German
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sieht deutlich den Unterschied zwischen dem Logos des Menschen, dem Menschenwort, und dem Gotteswort. Und die Erkenntnis dieses Unterschiedes ist die Aufgabe der Stunde, eine Aufgabe, für die das deutsche Judentum im Werk Franz Rosenzweigs seine entscheidende Hilfe besitzt. Wenn dieses Werk erst jetzt in seiner grundlegenden Bedeutung begriffen wird, so ist nicht sein „schwerer Stil" schuld daran, sondern einfach die Tatsache, daß man jetzt erst begreift, was Rosenzweig schon 1918 begriffen hat. Der „Stern der Erlösung" ist nicht in dem Sinne ein schweres Buch, daß ein philosophischer Systembau vorläge, der vor allem zu erfassen wäre; man kann das dritte Buch, in dem die Welt des Judentums behandelt ist, vor den vorangehenden ersten zwei Büchern lesen, ohne also den Systemgedanken des Buches zu kennen. Franz Rosenzweig hat im Angesicht des Todes geschrieben. Man nehme das nicht nur biographisch, obwohl es nicht unwesentlich ist, daß die ersten und entscheidenden Stücke des Buches aus dem Felde in die Heimat gesandt wurden. Wir leben alle im Angesicht des Todes. Und nur das hat Wert für uns, was dieser unserer Situation Rechnung trägt. Langsam lesen, das muß eine Generation von Zeitungslesern allerdings lernen. Aber wen der Geist in die Irre geführt hat, den rettet nur der Geist. Das deutsche Judentum wurde im Zeitalter der Emanzipation durch seine Verknüpfung mit dem deutschen Ideatismus zum deutschen Judentum, zum Westjudentum, in dem sich, wie einst im Judentum des hellenistischen Zeitalters, Judentum und Griechentum in einer Möglichkeit der Synthese zeigen. Denn um diese Synthese geht es. Franz Rosenzweig zeigt, wo die Maße der Mischung zur Vernichtung des jüdischen Teiles führen, und wo harmonisches Zusammen möglich ist. Wir werden über die Entscheidung, die wir zu fällen haben, belehrt: die deutschen Juden können Judengriechen werden, die nicht mehr Juden sind, oder Juden, die, fest verwurzelt im Judentum, den griechischen Geist, die Schönheit Japhets, so in Besitz nehmen, daß daraus Segen ersprießt. vornehmlich des Augenblicks, wo die Priester den nie ausgesprochenen, stets umschriebnen Namen Gottes dies eine Mal im Jahre unumschrieben aussprachen und das im Tempel versammelte Volk auf die Knie fiel. Unmittelbar aber taucht die Gemeinde in jenes Gefühl in dem Gebet, das auch sonst schon sich ganz verliert in die Verheißung des künftigen Augenblicks, wo sich vor Gott beugen wird jegliches Knie, wo aller Götzendienst geschwunden sein wird von der Erde, wo die Welt befestigt wird im Reich Gottes und alle Kinder des Fleisches Seinen Namen rufen, alle Frevler der Erde zu Ihm sich kehren und Alles das Joch Seines Reiches aufnimmt. Über diese sonst alltäglich den Schluß des Gottesdienstes bildende Fassung wächst das Gebet an den gewaltigen Tagen hinaus; jenes Flehen um die Herbeiführung der Zukunft ist da in das Hauptgebet hineingenommen, das an diesen Tagen mit gewaltigen Worten schreit nach dem Tag, wo alles Geschaffene in die Knie sinkt und einen einzigen Bund bildet, Gottes Willen zu tun mit einem ganzen Herzen. Aber das Schlußgebet, das schon alltäglich 3* 279

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