Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 5 (August 1934)
- Article
- Grenzen der Normalisierung
- Date
- 1934-08-01
- Page
- 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Grenzen der Normalisierung Hilfe und Aufbau beschlossen und der jüdischen Öffentlichkeit übergeben worden sind, bedeuten in dieser Hinsicht wohl die wichtigste Kundgebung einer Zukunftsplanung im deutschen Judentum. Der Wortlaut ist aus der jüdischen Presse als bekannt vorauszusetzen. Eine knappe Analyse des Aufbaus ergibt: die zwei Aufgaben der jüdischen Berufspolitik sind Berufsumschichtung und wirtschaftliche Eingliederung. Das bedeutet einmal Normalisierung der Berufeverteilung der Juden durch Ausbildung der Jugend in landwirtschaftlichen und handarbeitenden Berufen, sodann Erhaltung und Schaffung der wirtschaftlichen Existenz. Da nach Lage der Dinge Berufspolitik heute im wesentlichen Berufsumschichtungspolitik sein muß, hat diese im Vordergrund zu stehen. Die Richtlinien stellen weiterhin fest, daß unter Normalisierung in erster Linie eine Berufseingliederung in Landwirtschaft und Handwerk zu verstehen sei, wobei sie aber sofort hinzufügen, daß in Deutschland namentlich in bezug auf die Landwirtschaft eine normale Berufsschichtung der jüdischen Bevölkerung außerordentlich gehemmt sei. In diesem Zusammenhang wird die Notwendigkeit, den erlernten Beruf auch außerhalb Deutschlands überall in der Welt auszufüllen, und insbesondere Palästina als Raum einer Normalisierung der jüdischen Bevölkerungsverteilung unterstrichen. Drei ideenmäßige Tatsachen und Forderungen heben die Richtlinien hervor: einmal das Bestreben der jüdischen Jugend, sich aus eigenem Entschluß handarbeitenden Berufen aller Art zuzuwenden, ferner die Übereinstimmung darin, daß das Problem der Berufsumschichtung gänzlich aus der innerjüdischen Weltanschauungsdiskussion herausgenommen werden muß, und schließlich die Forderung einerVertiefung der Berufsausbildung durch jüdische Erziehung. Bei aller Anerkennung der verantwortungsbewußten, von Praktikern und Theoretikern in gemeinsamer langer Arbeit geförderten Ergebnisse scheint uns doch, daß die nächstliegenden Notwendigkeiten und Sorgen die Entschließung zu sehr bestimmt und geprägt haben. Wir haben an dieser Stelle den Gesichtspunkt der Normalisierung der jüdischen Berufsgliederung seit langem vorgetragen und besorgt auf die Tatsache hingewiesen, daß die Grenzen, die uns von außen gesetzt sind, unserem Willen zur Umschichtung an entscheidenden Punkten Einhalt gebieten. Als Ergebnis sahen wir eine anormale jüdische Berufsschichtung voraus mit all ihren 198