Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Article
- Max Pallenberg
- Date
- 1934-07-01
- Page
- 195 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2895450-2895526-2895531-2904068--07279-2904133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dert spielerische Einfälle aus; aber da war nicht einer, der nicht das innerste Leben dieses „eingebildeten Kranken" traf. Ein solcher Arbeiter voll planvoller Hingabe, voll beherrschter Spielkraft war Pallenberg. Aber seine großen Wirkungen kamen doch nur aus dem genialen Gefühl für die arme, ohnmächtige, leidende Menschenkreatur, das ihn beseelte. Seine Lust, bombastisch leere Worte in Rauch aufzulösen und hohl gezimmerte Schwankfiguren spielerisch zu vernichten — sie war am Ende nicht so sehr Nihilismus als das Mittel eines sehr geistreichen Kopfes und eines starken Herzens, die zu wirklichem Menschentum wollten. Wer zur Wahrheit will, ist immer ein Vernichter der Lüge; der große Komiker Pallenberg war am Ende der Wegbereiter des Tragikers, und es ist nichts Negatives, worin sich zuletzt der jüdische Kopf und das jüdische Herz bei diesem außerordentlichen Schauspieler gezeigt haben. Julius Bab Aus Herzls Frühzeit Zum 30. Todestag Zum 30. Todestag Theodor Herzls erschien im Tel-Aviver Buchverlag „Mizpa" der erste der auf zwei Bände berechneten Herzl-Biographie von Alex Bein. Der hebräischen Ausgabe soll im Herbst, in einem europäischen Verlag, die deutschsprachige Fassung folgen. Alex Bein ist einer der besten Herzl-Kenner der jungen Generation. Mit dem Fleiß des gewissenhaften Historikers hat er den Naßlaß des Politikers Theodor Herzl ebenso sorgsam durchgearbeitet wie die zum Teil anonym erschienene Produktion des Journalisten, der als Pariser Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse" ein entscheidendes Stück französischer Geschichte miterlebt und nachgestaltet hat. Während der spätere zionistische Weg Herzls (der erste Bein-Band schließt mit dem Basler Kongreß) in den Tagebüchern des Staatsmanns einen geradezu unübertrefflichen Spiegel gefunden hat, wie ihn selbst der vollkommenste Biograph nicht deutlicher schaffen kann, ist es Beins Verdienst, Herzls wesentEch in die Pariser Zeit fallende Entwicklung zum Zionismus hin äußerst anschaulich zur Darstellung gebracht zu haben. Obschon nun die Gefahr der Entgleisung ims Allzuprivate bei einer solchen Entwicklungsgeschichte gegeben ist, verzettelt sich Bein nicht in den meist überschätzten „kleinen Menschlichkeiten", wie die die Weltgeschichte abweidenden Feld-, Wald- und Wiesenbiographen sie lieben. Es liegt in der Natur der behandelten Sache, daß sich Bein mit dem Korrespondenten Herzl besonders ausführlich befaßt. Doch ist es nicht nur historisch wichtig, sondern auch literarisch reizvoll, die in den Wiener Zeitungsspalten neuentdeckten Wege nachzuwandeln, die schließlich in den „Judenstaat" führen: Bein hat wohl als erster Herzls journalistisches Pariser Gesamtwerk, also auch die bisher unbeachtet gebliebenen Depeschen, durchgearbeitet und als historische Lichtquelle benutzt: „ ... Er kam als Feuilletonist, mit einem sehr gepflegten, 195