Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Article
- Max Pinkus
- Date
- 1934-07-01
- Page
- 192 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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galt die besondere Zuneigung und Liebe des „Magus der Schlesienbücherei". Die Gerhart Hauptmann- Sammlung in Neustadt umschließt Erstdrucke der Hauptmannwerke in allen Sprachen und unzählbare Zeitungsausschnitte, die den ganzen Werdegang, das ganze schöpferische Leben des Dichters umfassen. Zum 70. Geburtstage Hauptmanns ermöglichte Pinkus seinem Freunde, dem leider früh verstorbenen Dr. Viktor Ludwig, die Herausgabe der fast 400 Seiten starken Bibliographie, die im wesentlichen das gesamte Pinkussche Material über Hauptmann verwertet. Die Hauptmann-Schau auf der Leipziger Buchausstellung 1927 und die große Breslauer Hauptmann- Ausstellung 1932 waren Pinkus in bedeutendem Maße verpflichtet, ebenso die von der Columbia University, New York, Anfang 1932 veranstaltete „Hauptmann-Exhibition" Prof. Heusers. Und all das hat Max Pinkus eigentlich nebenher geschaffen: als Randbemerkung gewissermaßen zu seinem Lebenswerk, der Leitung eines der größten Industrieunternehmen Deutschlands. Ein feines Verständnis gerade für deutsche Kulturwerte hat seine Mußestunden geweiht. Dieser großzügige Kunstfreund ist im tiefsten Sinne ein großer Lebenskünstler gewesen. D. F. Neue Lyrik Die Dichter haben es heute schwer. Man überhört sie, wie man den eigenen Herzschlag überhört, bis zu dem Tage, wo der Schlag unregelmäßig wird oder aufzuhören droht. Denn Dichtung ist notwendig wie der Schlag des Herzens: immer neu will das Leben sich gedeutet, in seinem Sinn erfaßt sehen, wenn es sinnvoll bleiben soll. Aber auch der Dichter braucht den Widerhall, soll er nicht zum Kunstgewerbler verkümmern; und das Gefühl, sich nicht mehr getragen zu sehen von einem lebendigen Strom, macht ihm das Leben noch schwerer als die eigentlichen Existenzsorgen (und die sind schwer). Mehr als etwa für Romane, die ihr Publikum finden, muß deshalb heute für Lyrik geworben werden; und es genügt nicht, Gedichtbände zu kaufen, — sie wollen gelesen, und noch besser, vorgelesen sein! Hilde Marx -Peters veröffentlicht (im Selbstverlag) ein schmales Bändchen: „Im Vers gefangen." Träumerisch, spielerisch, jund sind die Grundakkorde: „Man ist so jung und schon ein Dichter und schreibt das Leben, das man nicht erlebt"; die andern „können nichts als leben. Und man beneidet sie und steht daneben." So wendet sich das Gefühl in die Vergangenheit zurück und in die Zukunft hinaus. Stille, innige Strophen gelten der Mutter: „Man schließt die Augen für ein Weilchen Zeit und ist ein Kind, das bei der Mutter ruht. Für eine stille, kleine Ewigkeit ist aller Lärm verstummt, ist alles gut"; und eine erfühlte Mütterlichkeit sieht den künftigen Sohn vor sich, sieht ihn aufwachsen und kehrt in sich selbst zurück: „Noch bist du klein und noch gehörst du mir." Und dann ist die 192