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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 185

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Wissenschaft und Politik [Rezension]
Date
1934-07-01
Page
185 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau: Wissenschaft und Politik „Volk im Werden" veröffentlicht einen vor der medizinischen und philosophischen Fakultät der Universität Freiburg gehaltenen Vortrag von Viktor von Weizsäcker: „Ärztliche Aufgaben", dem wir folgende charakteristischen Gedanken entnehmen, die die politischen Aufgaben des Mediziners im neuen Staat umschreiben: „Sie werden sich rüsten müssen, um Politikern wichtige Dienste und Ratschläge zu leisten, zum Aufbau, der, wie wir hoffen, ganz grundlegenden künftigen engen Verbindung von Organisation der Arbeit und des Gesundheitsdienstes in unserm Lande. Was nämlich wird hier das Entscheidende sein? Es wird sein, daß die Grundlinie der sozialen Medizin und Versicherung nicht auf solche Rechtsansprüche ausgerichtet sei, die auf kausalen und schematischen Titeln: wie Unfall, Alter, Kriegsschäden, Krankheit begründet werden müssen, sondern daß sie ausgerichtet sei auf die größtmögliche Einordnung in das Arbeitsleben und auf den Bedarf. Arbeitsbeschaffung statt Rente, Bedarfsprüfung statt Rechtsprozeß sollen nach den Zielen des Führers die gesetzlichen Grundziele einer solchen Ordnung werden. Hier sehen Sie wieder, wie der Weg vom Kausalismus der Krankheitsursache zum Finalismus der menschlichen sozialen Eingliederung den Umschwung des Denkens zeichnet, und wie hier Medizin und Staatsleben sich begegnen in dem Begreifen totaler oder, wie man vielleicht besser hier sagen würde, integraler Gestaltung." „Die organisierten Verbände, wie Arbeitslager, die Gemeinschaften, die Arbeitstherapie können machtvolle Hilfen der ärztlichen Aufgabe werden. Immer wird dem Arzte zufallen, die Leiden der Vereinsamung, des selbstbezogenen Narzißmus, der krankmachenden Konflikte, der Minderwertigkeitsgefühle und des Oberwertigkeitswahns zu lösen. Da ist dann zu beobachten, daß, wo früher der Mangel kollektiver Harmonie die Einsamen bis zur Krankheit trieb, daß da jetzt die Stärke der kollektiven Harmonie übermächtig wird und die Entfaltung der individuellen Harmonie zerstört bis zur Krankheit. Dies ist dann Beweis, daß die kollektive Harmonie eine formale geblieben war und das Individuum noch nicht in sich aufzunehmen vermochte, da es der Gemeinschaft noch nicht gelang, dem Einzelnen seinen Wert zu geben, ihn so aus der Einsamkeit zu lösen. Jeder Führer muß wissen und jeder wahre Führer weiß es, daß es an ihm liegt, dem einzelnen zu befreiender Entfaltung zu helfen. Darin und in nichts anderm beruht die Tüchtigkeit und Kraft eines Führers. Hier ist die Wurzel der Gemeinschaft.." „Der Arzt in unserer Zeit hat eine politische Pflicht. Politische Pflicht nenne ich es, daß Sie den Kranken nicht nur als Kranken, sondern asls Arbeitsunfähigen führen und beraten müssen. Verstehend und streng zugleich müssen sie ihm den Krankenschein geben oder weigern, Arbeitsfähigkeit abwägen, bejahen, verneinen, seine Internierung fordern oder erlassen, eingreifen in seine ökonomische, in seine soziale Existenz, in dem vielfach verschlungenen, zu hoher Stufe der Zivilisation, 185

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