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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 161

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Jüdischer Adel?
Date
1934-07-01
Page
161 (sequence 6)
Language
German
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Hans Bach / Ende des Bürgertums? i. Das Schlagwort vom Ende des Bürgertums wird seit einigen Jahren bald lauter, bald leiser wiederholt, von sehr verschiedenen Gesichtspunkten aus; und es ist dabei nicht immer deutlich, ob mit dieser Wendung eine Feststellung getroffen oder eine Forderung aufgestellt werden soll. Beides kann der Fall sein. Denn Bürgertum ist einerseits ein sozialer Stand, abgegrenzt gegen andere Stände wie Bauern oder Arbeiter, ist aber auch der Inbegriff bestimmter Anschauungen, eines bestimmten Verhaltens, kurz: ein menschlicher Typ geworden, dessen Wertmaßstäben sich andere entgegensetzen lassen, der ganz oder teilweise verneint werden kann. Woran denkt man, wenn von „dem Bürger" die Rede ist? An den civis Romanus, von dem der Begriff sich herleitet und dem eine Achtung zukam, wie sie höchstens vielleicht wieder ein Engländer des letzten Jahrhunderts in exotischer Umgebung in Anspruch nehmen durfte? An die Bürger Venedigs oder der Hansa, Beherrscher eines Reiches von europäischem Ausmaß? An die Augsburger Fuggers, die Frankfurter Textors, die Basler Burckhardts? An die Generation von 1806 — „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" —, deren Söhne dann doch die Freiheitskämpfer von 1813 wurden, an die Männer der Frankfurter Paulskirche oder an die Devise „Enrichissez-vous" des französischen „Bürgerkönigs"? Denn das alles ist Bürgertum, und die letzten Jahrzehnte haben uns dazu die Gestalten des müden Bürgers, des „gut angezogenen jungen Herrn" (des „Erben") und des revolutionären Bürgers, des Bürgers wider Willen, gezeigt. Im Grunde kommen alle Einwände gegen das Bürgertum aus der letzten Gruppe gegen die beiden anderen. (Fortsetzung von Seite 160) Denn — um einen Gedanken Spenglers anzuführen — auch die „ewigen" Schöpfungen der Kultur und Kunst leben nur so lange, wie Menschen vorhanden sind, die sie ihrem innersten und echten Gehalte nach aufzufassen vermögen. Sterben diese Menschen aus, so ist auch das Werk gestorben. An der Aufgabe, dies zu verhüten, haben auch wir Juden mitzuwirken. Immer wird freilich bei uns der Akzent auf den sittlichen Werten liegen. Aber gerade weil unsere natürliche Begabung nach dieser Richtung weist, sollten wir bewußt die Werte der Form und Haltung pflegen lernen, stets der Tatsache eingedenk, daß erst Gesinnung und Haltung, Güte und Schönheit, Liebe und Kraft den vollen Menschen ausmachen. 161

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