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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 157

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Jüdischer Adel?
Date
1934-07-01
Page
157 (sequence 2)
Language
German
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Hans Rosenfeld: Jüdischer Adel? Länder und Völker verbreitete Spezies des homo technicus normalis, der „Chauffeurtypus", wie ihn Keyserling nennt, ein seelenloses Wesen, gleichsam genormt und am laufenden Band erzeugt wie die Industrieprodukte, die er, an dieses Band gekettet, hervorbringt. Es erscheint unmöglich, diesen mit Naturgesetzlichkeit abrollenden Entwicklungsprozeß aufzuhalten. Was aber möglich und unerläßlich ist, ist der Widerstand gegen diese Entwicklungstendenz durch den dem Massenmenschen entgegengesetzten Gegentypus. Dieses Widerspiel zwischen dem Einzelnen und der Menge hat es freilich immer gegeben, und ein gut Teil der Macht- und Verfassungskämpfe der Geschichte sind Variationen dieses ständig gleichbleibenden Themas. Aber die Problemstellung unserer Zeit weist ihre Besonderheiten auf. Die industrialisierten und technisierten modernen Massen sind mit keiner der nach organischen Prinzipien gegliederten Gruppen früherer Zeiten vergleichbar. Demgemäß wird auch der auserwählte Gegenspieler dieser Massen ein anderer zu sein haben. Er wird aus anderen Kreisen stammen, aus anderen Wurzeln seine Kräfte ziehen, wenn freilich auch die Grundhaltung die gleiche bleiben wird, die stets den erlesenen Menschen vor der Menge auszeichnete. Seit je nennen wir solche Menschen Adel, und auch heute wird es mit besonderer Dringlichkeit darum gehen, dem Massenmenschen einen Adelstypus entgegenzustellen, der berufen ist, die hohen Güter menschlicher Gesittung und Kultur durch das drohende Chaos hindurchzuretten. Der europäische Adel hat sich allenthalben aus dem Rittertum und dem Feudaladel entwickelt; er ist im wesentlichen Land- und Blutsadel, erst in späteren Zeiten durch Verleihungen aus Bürgerkreisen ergänzt. Seine Traditionen standen und stehen mit dem Waffenhandwerk in engster Verknüpfung. Die Ehre und heroische Gesinnung, die er pflegt, sind Ritterehre und Rittergesinnung. Dieser alte Blutsadel ist verfallen; seine Familien sind zum Teile überaltert und verarmt. Seine Mitglieder mögen auch heute noch vielfach Zeichen einer Vornehmheit aufweisen, die das Ergebnis jahrhundertelanger Tradition und Züchtung ist; kaum irgendwo in Europa ist dieser Blutsadel aber noch die tragende Schicht, aus welcher sich die Führer des Volkes selbstverständlich und mühelos ergänzten. Wenn eine neue Adelsbildung gelingen soll, — ein Prozeß, der lange Zeit erfordert und jeder willkürlichen Bestimmung entzogen ist —, so wird sie aus Schichten hervorgehen, die bisher im Hintergrunde standen, wahrscheinlich aus einer Mischung und Durchdringung solcher Schichten, in welcher sich die besten Eigenschaften Einzelner potenzieren werden. Der neue Adel wird kein Adel des Bluts und erst recht kein Pseudoadel des Geldes sein, er wird — wenn anders er die verantwortungsvolle Aufgabe meistern soll, die ihm gestellt ist — der einzige echte Adel sein, den es je und je gab und gibt, der des Geistes und der Seele. 157

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