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Der Morgen · 1934-06-01 · Heft 3 (Juni 1934) · p. 145

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 3 (Juni 1934)
Article
Musik und Rasse
Date
1934-06-01
Page
145 (sequence 3)
Language
German
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westeuropäischen Komponisten. Man kann Bach sehr oft nicht von Vivakii oder den jüngsten Sohn Bachs Johann Christian oder den Italiener Cimarosa nicht von Mozart, Händel nicht von Purcell und den letzten Schumann nicht von Mendelssohn unterscheiden. Auch Meyerbeer ist als Jude rassisch nicht zu fixieren, er ist der typische weltbürgerliche Opernkomponist, der von dem französierten Italiener Rossini im „Wilhelm Teil" oder von dem Franzosen Auber oder dem Italiener Spontini ebenso wenig zu unterscheiden ist wie Wagner als Instrumentator oft von dem ungarischen Instrumentator Liszt. „Soweit die bisherige Untersuchung zeigt, liegen die musikalischen Rassenmerkmale vorwiegend auf physiologischem Gebiet, Stimmklang und Rhythmik. Vom Physiologischen aus sind naturgemäß auch Auswirkungen auf höhere psychische Vorgänge wahrscheinlich: melodischer Bewegungsablauf u. a. Die so gewonnenen Erkenntnisse lassen sich dann auch auf die europäische Volksmusik anwenden, von wo aus sich vielleicht wieder Rückschlüsse auf unsere Kunstmusik ergeben können." Wie man sieht, ist noch alles ungewiß. Nun hat man auch bei Meyerbeer von der „Mentalität des Galuth judentums" gesprochen. Ob Meyerbeer unter seinem Judentum irgendwie gelitten, ob ihn dessen Tragik irgendwie berührt hat, wissen wir nicht. Bekannt davon, ist nichts, vielleicht erfahren wir später einmal etwas darüber aus seinem, von den Erben in kleinlichster Weise für die Forschung gesperrten Nachlaß. Er ist jedenfalls der einzige der großen Musiker jüdischer Herkunft, der dem Judentum als Religionsgemeinschaft treu blieb, ohne daß es seiner „Karriere" geschadet hätte. Aber ob er sich jemals eines spezifisch jüdischen Ingredienz seiner Kunst bewußt gewesen ist (sein Biograph Kapp spricht einmal von der „hebräischen Melodik" an einer Stelle im „Propheten", die in Wirklichkeit nicht im geringsten synagogal ist), muß man bezweifeln. Sonst hätte er seine wenigen synagogalen Kompositionen nicht im Opernstil der Zeit geschrieben. Das Problem „Musik und Rasse" wird im europäischen Völker- und Rassengemisch nicht leicht zu lösen sein. Mit „einfühlender ästhetischer Betrachtung" ist rassisch nicht viel anzufangen. So muß man vorläufig noch die Schönheiten auch Meyerbeerscher Musik, soweit sie noch lebendig ist (und das ist noch eine ganze Menge), genießen als einer Kunst, die zwar von einem jüdischen Menschen geschaffen wurde, aber sonst nichts Jüdisches an sich hat, sondern vollständig dem europäischen Kulturkreis zugezählt werden muß. Oskar Guttinann Tagung für Erwachsenenbildung Die Tagung für jüdische Erwachsenenbildung, die unter Leitung von Professor Buber in Herrlingen bei Ulm vom 10. bis 13. Mai stattfand, zeichnete sich in vielfacher Beziehung vor anderen Arbeitstagungen aus. Nicht allein bildeten Landschaft und blühende Natur einen Hintergrund von nicht nur vegetativer Fruchtbarkeit, sondern die Atmosphäre des jüdischen Landschulheims mit seinen Leitern, die in Gastlichkeit Wetteifer- 145

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