Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1934-06-01 · Heft 3 (Juni 1934) · p. 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 3 (Juni 1934)
Article
Musik und Rasse
Date
1934-06-01
Page
144 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895526-2895530-2903969--07202-2904039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„instinktmäßigen Widerwillen" aus, er verallgemeinert höchstpersönliche Empfindungen. „Einen Menschen, dessen Erscheinung wir zu künstlerischer Kundgebung allgemeinhin der Gattung nach für unfähig halten müssen, dürfen wir zur künstlerischen Äußerung seines Wesens, seines rein menschlichen Wesens überhaupt nicht für befähigt halten." Wagner spricht erst von der Unfähigkeit der Juden zum R e produzieren, aber bald auch von der zum Produzieren. Es folgt der lapidare Satz: „Der Jude hat nie eine eigene Kunst gehabt, daher nie ein Leben von kunstfähigem Gehalt." In der Musik speziell wirft er den Juden „die Eigenschaften der Kälte, der Gleichgültigkeit bis zur Trivialität und Lächerlichkeit" vor: „wir müssen die Periode des Judentums in der modernen Musik geschichtlich als die der vollendeten Unproduktivität, der verkommenen Stabilität bezeichnen." Aber gerade historisch irrt Wagner doch sehT. Wir übersehen heute die Entwicklung besser und klarer, vor allem die der großen historischen Oper, die keine jüdische, sondern eine international-romantische Erfindung war. Ihr äußerlichster Höhepunkt ist zwar Meyerbeer, ihr letzter Vollender (neben der Vollendung der Romantik Webers und Marschners) und letzter Ausläufer war aber Wagner selbst; auch er unterlag sehr stark internationalen Einflüssen (Berlioz, Liszt, Spontini, Bellini, Auber, Meyerbeer), und er hat die große Oper in seinen Werken nicht immer völlig überwunden. Wagner war ein viel zu großes Genie und Temperament, um sich seiner Zeit gegenüber schon historisch-objektiv einzustellen. Sein Antagonismus gegen Meyerbeer war damals in Wahrheit viel mehr ein künstlerischer — er prügelte seinen Lehrmeister — als ein völkischer. Heute packt man das Rasseproblem anders an als es Wagner tat, aus dessen mehr oder weniger gefühlsmäßigen Darlegungen eigentlich nur der Grundsatz übrig geblieben ist, daß sich das Rassische, wie alles Körperliche, irgendwie auch seelisch, also auch in der Kunst auswirken muß. DieHauptfrage des musikalischen Rasseproblems ist (nach Dr. Fritz Bose, dem Fachschaftsgruppenleiter für vergleichende Musikwissenschaft an der Universität Berlin), herauszufinden, was an der Musik rassisch bedingt ist, in welchen Tatsachen die rassischen Einflüsse nachweisbar sind. Hier den Weg zu exakten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen zu finden, ist nicht leicht, man muß sich dabei der „Methoden der vergleichenden Musikwissenschaft in Kombination mit experimentell-psychologischen" bedienen. Ohne Zweifel wird die vergleichende Musikwissenschaft für die Ergründung einer regional oder rassisch bedingten Kunst sehr viel leisten können. Ich habe selbst aus den geringen Bruchstücken der uns erhaltenen griechischen Musik zusammen mit dem gregorianischen Choral, der orientalischen (arabischer und jemenitischer) und der exotischen Musik auf dem Wege des Vergleichs und der Analogie ein Bild der alt jüdischen Musik zu formen versucht, wie sie gewesen sein könnte. Aber schon hier sind die rassisch bedingten musikalischen Tatsachen sehr schwer in annähernder Reinheit darzustellen, geschweige erst, wie man es versucht hat, bei der Musik eines 144

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.