Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1934)
- Article
- Robert Friedlaender-Prechtl
- Date
- 1934-06-01
- Page
- 142 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2895450-2895526-2895530-2903967--07196-2904037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und Bearbeitung von Shakespeares „Timon von Athen" und das Tragödienwerk „Trilogie der Leidenschaft". In der „Italienfahrt" findet dann seine Liebe zu Deutschland im Vergleichen zwischen deutscher und italienischer Kunst erneut sehr eigenwilligen, sehr einprägsam en Ausdruck. Als die große Krise über die Welt hereinbricht, erhebt er in der Zeitschrift „Die Wirtschafts-Wende" und in einem gleichnamigen Buch wiederum seine Stimme. Er schweigt jetzt. Aber seine Persönlichkeit, die sich der beiden Quellen ihres Wesens stets bewußt war, ist zu reich, um auf die Dauer zu verstummen. Ernst Engel Zum Tode Max Friedländers Wenn man irgendeine neuere Musikgeschichte durchblättert, wird man sicherlich bei der Betrachtung des deutschen Volks- und Kunstliedes zur Zeit Händeis überall auf die gleiche Anmerkung verwiesen: „Siehe Friedländer, M., Das deutsche Lied im 18. Jahrhundert, zwei Bände mit zahlreichen Musikbeispielen, 1902." Dieses Hauptwerk Max Friedländers ist zu einem Standardwerk der Musikwissenschaft und zu der grundlegenden Entwicklungsgeschichte des deutschen Liedes geworden. Das bewirkte zunächst die tatsächlich erschöpfende Bibliographie des riesigen Gebiets, in das sich bis dahin kaum ein Forscher hineingewagt hatte, und vor allem die Darstellung des Stoffes, die fern von jedem Doktrinarismus sich bemühte, den reichen Inhalt nicht trocken, sondern anschaulich und lebendig zu verarbeiten. Zu Hilfe kam hier dem Autor, daß er nicht nur Wissenschaftler, sondern auch, und sogar stets in erster Linie, Künstler war, wodurch für ihn das Forschen niemals tote Wissenschaft, sondern vielmehr lebensfrisches Einfühlen bedeutete. Hierin unterscheidet sich Friedländer wesentlich von anderen Musikwissenschaftlern von Bedeutung, die ihm zwar an Vielseitigkeit meist überlegen sind, denen aber das intuitive Eindringen in ein Kunstwerk und dessen Gestaltung nicht gegeben war. Friedländer, von Stockhausen zum Sänger ausgebildet, begann erst verhältnismäßig spät — als Schüler des klassischen Bachbiographen Philipp Spitta — mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, die sich dann, gemäß seinem ursprünglichen Ziel, fast ausschließlich mit dem Liederschatz des deutschen Volkes und. den Liederwerken seiner großen Meister beschäftigte. Was er hier, in seiner wissenschaftlich - künstlerischen Arbeit, geleistet hat, ist Gemeingut des deutschen Volkes geworden, für das er hatte wirken wollen. Da sind die großen, ungemein sorgfältig durchgesehenen Ausgaben von Schuberts Liedern, dem seine besondere Liebe gegolten hat und um dessentwillen er auch immer genannt werden wird: er hat eine große Zahl unbekannter Lieder Schuberts veröffentlicht und das Schubert-Museum in Zwickau begründet; es folgten die wertvolle Gesamtausgabe der Lieder von Brahms, mit dem ihn persönliche Freundschaft verbunden hatte, und der Lieder von Schumann und Mendelssohn. Er vollendete auf Veranlassung Wilhelms II. das Liederbuch des deutschen Volkes, revidierte Erks „Lie- 142