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Der Morgen · 1934-06-01 · Heft 3 (Juni 1934) · p. 136

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 3 (Juni 1934)
Article
Fremdlingschaft Jsraels [Rezension]
Date
1934-06-01
Page
136 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau: Fremdlingschaft Jsraels? Über die bereits in 3. Auflage erschienene Broschüre des Tübinger Theologie - Professors Gerhard Kittel, der in seinen Darlegungen für Aufhebung der Emanzipation und Anerkennung der Fremdlingschaft Israels unter den Völkern eintritt, findet sich im April/Juni-Heft der Zeitschrift: „Eine heilige Kirche" folgende vom Herausgeber, dem Marburger Theologie-Professor Friedrich Heiler gezeichnete Bespresprechung: „Der Verfasser dieser beachtenswerten Schrift spricht Gedanken aus, die auch von uns wie von unsern judenchristlichen Mitarbeiten vertreten werden; so die Ablehnung des entwurzelten „Assimüations"-Judentums, das den Zusammenhang mit der väterlichen Religion verloren hat, und die Forderung einer Zurückbesinnung auf das kostbare Erbe des jüdischen Volkstums ... Trotz dieser weitgehenden Obereinstimmung legen wir die Schrift doch mit einem Gefühl des Schmerzes aus der Hand, weniger deshalb, weil Kittel einzelne offensichtlich ungerechte Urteile fällt, z. B. über die jüdischen Ärzte, und gelegentlich auch demagogische Schlagworte der Straße nicht verschmäht, als vielmehr deshalb, weil er als neutestamentlicher Fachmann, ergriffen von einer übermächtigen Zeitströmung, nicht mehr imstande ist, den Sinn des christlichen Liebesgebotes zu verstehen und einer unmöglichen Interpretation desselben verfällt Wenn Kittel behauptet, es sei eine krankhafte Sentimentalität und nicht christliche Liebe, auf das Schicksal des einzelnen Juden zu sehen, wenn Kittel immer wieder mit größtem Nachdruck zu rücksichtsloser Härte gegenüber dem Einzelnen mahnt, weil alles darauf ankomme, daß das ganze Volk die ihm gewiesene Stellung als eines Fremdlings unter den Völkern einnehme, so ist darauf zu erwidern, daß das zentrale Liebesgebot des Herrn rein individuell gefaßt ist: „Du sollst deinen Nächsten (also den Einzelnen) lieben wie Dich selbst!", ja, daß nach dem Gleichnis Jesu der gute Hirte — und jeder Christ hat diese Hirtenpflicht am Nächsten — um des einen verlorenen Schafes willen 99 in der Wüste zurückläßt. Wir geben Kittel darin recht, daß die Galut (Fremdlingschaft) Israels gottgewollt ist und daß dieses ihm auferlegte Leiden zu seinem und der Christenheit Besten dienen wird. Israel ist ein Gastvolk unter den Völkern, aber gerade für dieses Gastvolk gelten die Worte des Herrn: „Ich bin ein Gast (griechisch xenos, <L h. Fremdling) gewesen und ihr habt mich beherbergt . . . Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." „Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist. . ." „Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich nicht beherbergt. . . Was ihr nicht getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir auch nicht getan." „Gehet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln" (Mt. 25, 31 ff.). Die Judenfrage ist nur vom Neuen Testament her zu lösen, aber vom ganzen Neuen Testament/' 136

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