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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Erneuerung der Bibelwissenschaft
Date
1934-05-01
Page
58 (sequence 6)
Language
German
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Meta Samson: Das möblierte Zimmer Wenn heute zahlreiche jüdische Familien ihre Wohnung aufgeben, um sich bis zur Entscheidung über ein neues Arbeitsgebiet oder sogar für immer „ein möbliertes Zimmer" zu nehmen, so bedeutet das mehr als eine äußerliche Veränderung- Die Aufgabe des Besitzes, die damit verknüpft ist, durchbricht das Gedanken- und Gefühlsgut und mit ihm den eigentlichen Kern, um den sich die Schalen des äußeren Lebens wickelten. Die mit den täglichen Pflichten ihres Hauses voll beschäftigte jüdische Frau und Mutter, erzogen in Eigenschaften und Pflichten, die sich von Generation zu Generation vererbten, sieht sich plötzlich dem äußeren Nichts gegenüber, dem entschwindenden Besitz, den sie sich Stück für Stück aufgebaut hatte und den sie ihren Kindern zu erhalten suchte. Jetzt fehlt ihr das gewohnte Betätigungsfeld, die lieb gewordene Sorge um häusliche Dinge. Im eigenen Heim spinnen sich täglich zahllose Fäden, die zu verknoten und zu entwirren sind, — Sorgen, die, im einzelnen unbedeutend, sich im ganzen jedoch über die bloße Verrichtung zur Gestaltung emporheben. Niemals können möblierte Zimmer, von fremdem Leben und Schicksal angefüllt — abgerissene Nähte —, das Zuhause ersetzen. Diese schicksalhafte (Schluß von Seite 57) auch für Nichtgelehrte bestimmt hat, ist der gerade heute so ersehnte und doch so schwierige Zugang zu unserem eigenen unverwüstlichen geistigen Besitz verhältnismäßig nicht allzu steil und unwegsam. Das erste Buch der Tora ist nicht nur die Grundlegung der Geschichte Israels, sondern auch der elementare Anfang der Wiedererlernung unseres seit der Emanzipation so vernachlässigten Wissensgutes. Der neue Genesis-Kommentar, in einer unüberbietbaren drucktechnischen Form, macht Vieles wieder gut Der gelehrte und ungelehrte deutsche Jude unserer Tage sollte sich mit diesem Grundwerk ausgiebig befassen. Sein Inhalt ist so spannend und eindrucksvoll wie der Roman, den wir zu lesen pflegen, vor allem wie jener Roman, in dem wir selbst die Hauptfigur sind. 58

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