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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Erneuerung der Bibelwissenschaft
Date
1934-05-01
Page
53 (sequence 1)
Language
German
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Ludwig Feucht wanger: Erneuerung der Bibelwissenschaft Zu B. Jacobs Genesis-Kommentar In zwei abgeschlossenen Kreisen, die voneinander kaum Kenntnis nehmen und nichts miteinander zu tun haben wollen, vollzieht sich auch heute noch im wesentlichen die wirkliche Aneignung der Bibel, und zwar sowohl die Erlernung, Erforschung und Weitergabe des Wortlautes wie Sinndeutung und Verknüpfung mit der Gegenwart mittels einer streng methodischen Exegese. Der erste Kreis, der jüdische Kreis der Gesetzestreuen, tritt mit Ehrfurcht an das Wort Gottes heran; für sie ist die überlieferte, mit genialen Mitteln seit unvordenklicher Zeit vor Veränderungen geschützte Buchstabenfolge kein gewöhnlicher, mit anderen klassischen Urkunden vergleichbarer Text, sondern geoffenbarte Lehre, also vollkommen und irrtumlos. Die heiligen Bücher werden in diesem Kreis einer philologisch-historischen Erklärung wie überhaupt der Sphäre des weltlichen Annehmens und Schließens entrückt. Die strengen Auslegungsregeln dieser Bibel-Lernart gelten selbst wieder als göttlich. Der zweite Kreis, der das Wissen um die Bibel intensiv pflegt, ist die alttestamentliche Wissenschaft der theologischen Fakultäten der beiden christlichen Bekenntnisse. Die Eigenart dieser Bibelwissenschaft bestand ursprünglich in der einseitigen Betrachtung der alttestamentlichen Vorstellungswelt als Vorbereitungsstufe des Christentums. Allmählich nahm aber auch das theologische Fach „Altes Testament" die sprachwissenschaftlichen, religionsgeschichtlichen und archäologischen Fragen auf, die der reine Text an den Unvoreingenommenen stellt. Die „Willkürherrschaft der christlichen Exegese", die noch 1848 Abraham Geiger feststellte, wich einer sachlicheren historischen Betrachtungsweise, wobei der innere Wesenszusammenhang zwischen dem Alten und Neuen Testament „auf den dünnen Faden der geschichtlichen Verknüpfung und ursächlichen Folge der beiden Größen reduziert und damit eine äußere und nicht einmal immer sicher nachweisbare Kausalität an die Stelle der wesenhaften, weil auf gleichartigem Lebensinhalt beruhenden Zusammengehörigkeit gesetzt wurde" (Eichrodt). 53

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