Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 1 (April 1934)
- Article
- Mythische Geschichte [Rezension]
- Date
- 1934-04-01
- Page
- 47 (sequence 2)
- Language
- German
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wird nahezu zur Blasphemie, wenn Gott selbst als allzu menschliche Schöpfung erscheint. Und hier liegt wieder die Grenze: das Buch ist eine prächtige Erzählerleistung, klug, fein, bestimmt. Figuren sind Typen, Geist wird zum Mythos, frühe Zustände gewinnen Umriß. Aber mythische Geschichte ist nicht biblische Geschichte. Was Religion (und besonders jüdische Religion) ist, soll man nicht darin suchen, wird man nicht darin finden. Hans Bach. S. Sduuhnowitz, Licht aus dem Westen. Erzählung aus der Zeit der Ghettodämmerung. Hermon- Verlag, Frankfurt a. M. 1933. Von den wirklichen Kämpfen der Emanzipationszeit kann uns der Roman keine Vorstellung geben, und die Vertreter der verschiedenen Richtungen bleiben durchaus schattenhaft — um was es eigentlich geht, wird wohl kaum ein Leser begreifen, dem nicht ohnehin die Ideologie der Austrittsorthodoxie geläufig ist. Das Beste, was man von diesem Roman sagen kann, ist, daß er den Leser anregt, sich wieder einmal an Hand irgendeiner schlichten historischen Darstellung mit diesem Abschnitt jüdischer Geschichte zu beschäftigen — was uns allen nur nützlich sein kann. D.E. J.L.Palache: TheEbed-Javeh enigma in Pseudo-Isaiah, Amsterdam 1934 Mit einer gewissen Spannung schlägt man dieses Buch auf, das „vielleicht sogar die endgültige Lösung eines Problems" zu geben verspricht, mit dem sich Erklärer und Ausleger immer wieder beschäftigt haben. Kaum eine Frage führt so tief in das Judentum, in unsere Bibel hinein wie die nach dem Ewed-JHWH, dem leidenden Gottesknecht. Einige Kapitel im zweiten Teile des Jesaia schildern sein Wirken und sein Leiden — vielleicht ist beides eins —, ohne etwas Näheres über seine Persönlichkeit auszusagen. Kein Wunder, daß sich hier die Phantasie der Erklärer in Theorien erging; ungefähr zwanzig verschiedene zählt Volz auf. Und nun soll uns die endgültige Lösung geschenkt werden. Um es kurz zu machen: Palache weist auf eine Stelle hin (Jes. 42, 19), in der er den Namen des Knechtes deutlich zu sehen glaubt: Meschullatn. Das ist ein mehrfach in der Bibel vorkommender Name, dessen Träger bedeutungslos sind. In anderen Versen der sog. Ewed-JHWH-Lieder glaubt er wertere Spuren dieses Namens zu finden. Nim muß gezeigt werden, wer dieser Meschullam ist, und über Ableitungen, die durch nichts zu stützen sind, identifiziert P. seinen Meschullam mit dem im ersten Buch der Chronik (3> 19) genannten Meschullam, dem uns sonst unbekannten Sohne und vielleicht auch Nachfolger Serubbabels. Historische Gründe sollen zur Ausschaltung der Meschullam betreffenden Stellen aus dem Text geführt haben, und so sei der letzte Prinz aus Davids Haus später nicht mehr erkannt worden und zu einer abstrakten Idee verblaßt. Nunmehr wird der Versuch gemacht, sein Leben aus wahllos zusammengestellten Jesaiatexten zu rekonstruieren. Unsere Spannung, die die These des Buches zunächst erregte, wird enttäuscht, denn sie führt zu einem Ergebnis, das — es ist hier sieht 47