Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 1 (April 1934)
- Article
- Juden in Holland
- Date
- 1934-04-01
- Page
- 45 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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des Sekretärs des Comite voor bijzondere joodsche belangen waren in der Zeit von April bis Dezember 1933 in Holland über 5000 Juden aus Deutschland eingetroffen. Am 1. Januar 1934 betrug die Zahl der seßhaft gewordenen deutschen Juden 1379. Der Mehrzahl ist es mit der Zeit gelungen, sich selbst zu unterhalten. Immerhin wurden in Holland bis zum Beginn dieses Jahres 400 000 Gulden von den holländischen Juden aufgebracht und von den Hilfskomitees ausgegeben. In Amsterdam werden noch heute wöchentlich 7000 Gulden für diese Unterstützungen aufgewandt. Neben dieser reinen Unterstützungsaktion ist jetzt mit Hilfe der niederländischen Regierung und holländischer Juden ein produktives Hilfswerk zustande gekommen. Es ist eine Stiftung „Joodsche Arbeid" errichtet worden, deren Aufgabe es ist, auf einem von der niederländischen Regierung zur Verfügung gestellten Terrain im Wie ring ermeerpolder zunächst 110, später 150 und schließlich bis 300 jüdische Jugendliche in der Landwirtschaft und im Handwerk auszubilden. Die Ausbildung soll zwei Jahre dauern und für die Auswanderung nach Palästina, Südamerika und Australien vorbereiten. Neben, der Fachausbildung, die in der Hauptsache von holländischen Lehrkräften erteilt wird, wird hebräischer, englischer und spanischer Sprachunterricht gegeben werden. Damit ist endlich der notwendige Schritt von der unproduktiven Hilfe zur Berufsumschichtung und Vorbereitung zu neuer Tätigkeit mit Hilfe der Regierung eines Landes getan, das schon in früheren Zeiten immer besonderes Verständnis für die besondere Lage der Juden gezeigt und auch jetzt wieder die Initiative zur internationalen Organisation des Flüchtlingshilfswerks ergriffen hat. Die Einordnung der deutschen Juden kann naturgemäß nur allmählich vor sich gehen. Die große Mehrzahl hat sich dem Handel zugewandt oder Fabrikationsbetriebe eröffnet. Einzelne wurden zur Arbeit an der Universität zugelassen. Die durch die Ereignisse geförderte Hinwendung zum Jüdischen zeigt sich in einem recht regen Interesse der zugewanderten deutschen Juden für die hier bestehenden jüdischen Organisationen. Eine höhere Werkschule in Scheveningen dient der Erziehung der deutsch-jüdischen Kinder auf positiv jüdischer Grundlage. Es werden auch Versuche gemacht, die Juden verschiedener Herkunft einander näher zu bringen. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, daß es manche Juden aus Deutschland gibt, die sich jeder Mitarbeit in jüdischen Kreisen fernzuhalten suchen. Zeigt auch das holländische Volk in seiner großen Mehrheit Verständnis und Hilfsbereitschaft, so darf nicht übersehen werden, daß auch in Holland die allgemeine Wirtschaftslage eine starke Beschränkung der Arbeit ausländischer Gewerbetreibender und insbesondere ausländischer Arbeitnehmer erforderlich macht. Faschistische Gruppen, deren Tendenz auf eine Minderung der jüdischen Gleichberechtigung in mehr oder weniger großem Ausmaß gerichtet ist, bestehen zwar, sind aber vorläufig noch schwach. Den Haag Rudolf Levy 45